INTERVIEW-SERIE 5/6: 35 JAHRE „BIOTOP AM STAUSEE“

Fredi, Toni & Kurt - August 2018 (© NVVB)

Fredi, Toni & Kurt – August 2018 (© NVVB)


35-jähriges Bestehen des „Biotop Am Stausee“ – Mitglieder erzählen wie alles begann Und mehr…

Interview mit Fredi Niffeler (FN), Toni Lenz (TL) und Kurt Krüger (KK)
(ehem. langjährige Vorstandsmitglieder und Mitglieder der Biotopkommission bis 2010)

Wie ist eure Liebe zur Natur entstanden?

FN: Ich bin in einer Familie aufgewachsen in der das Wort „Natur“ Gross geschrieben wurde. Mein Vater hat uns viel über die Tier- und Pflanzenwelt beigebracht. Dies hat mein Leben sehr geprägt.

TL: Ich bin als Kind auf dem Bauernhof aufgewachsen und habe dadurch schon einen starken Bezug zur Natur und vor allem zu den Tieren bekommen. Als 13- jähriger bin ich auf anraten meines Biolehrers, 1948 in den Schweizerischen Bund für Naturschutz (heute Pro Natura) aufmerksam gemacht worden und sofort beigetreten.

KK: Bin mit Bauern in der Umgebung Nidau am Bielersee aufgewachsen, damals war das Seeland noch teilweise ein richtig wildes Naturparadies, so war die Berührung zur Natur unmittelbar.

Was hat euch dazu bewogen sich für die Anliegen der Natur im Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zu engagieren?

FN: Als „Lozärner“ hat mich mein Beruf als Zollbeamter nach Basel verschlagen. Hier hat mich TL motiviert dem NVVB beizutreten

TL: 1968 bin ich auf Birsfelden gezogen und dort in die OGBirsfelden (Heute: OGimpel). eingetreten. 1982 wurde der NVVB gegründet, so wechselte ich dorthin und engagierte mich da auch gerade im Vorstand. Weiter war ich bis 2010 Mitglied in der Biotopkommission.

FN u. TL: Auch der damals schon gut erkennbare Rückgang der Artenvielfalt und der Große Druck auf die Natur haben uns bewogen auf Gemeindeebene sich für die Natur einzusetzen.

KK: Ich bin 1962 in die Region Basel und später mit meiner Frau nach Birsfelden gezogen. War Jung, hatten nicht viel Geld und suchte eine sinnvolle Beschäftigung neben meiner Arbeit beim Zoll. Meine Arbeitskollegen FN u. TL haben mich auf den NVVB aufmerksam gemacht, seitdem bin ich Mitglied.

Kraftwerkinsel und Parzelle 1550 - 2.7.1983 (© Swissair)

Kraftwerkinsel und Parzelle 1550 mit Biotop – 2.7.1983 (© Swissair)

Gibt es ein Thema im Naturschutz, was euch besonders fasziniert?

FN: Die Spechte im Hardwald haben mich besonders fasziniert, sodass ich mich entschloss, diese zu kartieren. Beinahe zwei Jahrzehnte bin ich den Spechten nachgestiegen. Besonders der gefährdete Mittelspecht lag im Fokus meiner Erhebungen. Durch die Förderung der Eichen dort, kann man heute sehen, hat sich der Bestand der Mittelspechte in der Region erfreulicherweise erholt und er nimmt sogar leicht zu.

TL: Ich bin ein geborener Naturfreund, somit bin ich von der unglaublichen Vielfalt der Natur im Ganzen fasziniert.

KK: Ja genau Toni, die wunderbare Pflanzen- und Tierwelt die wir haben, müssen wir mit aller Kraft weiterhin schützen.

Ihr wart lange Jahre Vorstandsmitglieder und habt euch in der Biotopkommission über 20 Jahre intensiv um die Pflege des „Biotop Am Stausee“ gekümmert, was waren eure grössten Erfolge?

Fredi mit Schulkindern, die bei Pflegearbeiten mithelfen, 2009 (© NVVB)

Fredi mit Schulkindern, die bei Pflegearbeiten mithelfen, 2009 (© NVVB)

 

 

 

 

FN: Im Jahre 1984 wurde ich mit TL und Theo Wagner in die Biotopkommission gewählt, später kamen noch KK und Fritz Liechti hinzu. Im Team übernahmen wir die Betreuung des „Biotop Am Stausee“, hegten und pflegten in unzähligen Frontdienststunden das Gebiet. Im Jahr 1995 wurde ich in den Vorstand des NVVBs gewählt. Dort wurde mir das Resort „Vogelschutzobmann“ zugeteilt. Ich war massgeblich am Aufbau der Nistkastenanlage im Hardwald, dem Aufbau des Mauersegler- und Mehlschwalbenparks in der Gemeinde beteiligt. Schlussendlich habe ich die Waldkauz-Nistkästen im Hardwald reaktiviert. Über den Bruterfolg der Vögel und der Siebenschläfer führte ich Statistik. Zudem leitete ich diverse Verein Exkursionen und organisierte eine mehrtägige Reise an die Nordsee mit Aufenthalt in Husum und Hallig Hooge. Im Weiteren habe ich während vieler Jahre das Mitteiliungsblatt des NVVB geführt. Schlussendlich haben wir einen Jugendkurs zur Einführung in die Ornithologie durchgeführt.

TL: Natürlich die Gründung des „Biotop Am Stausee“ 1983 mit der Pflege: Heuen, Mahd, Hecken- und Teichpflege etc. Im ersten Jahr hatten wir einen Aufwand von 1’155 Stunden! Viele Vereinsmitglieder halfen mit, auch zwei Schulklassen. Der Erfolg der Verhinderung des Baus eines Hochhauses anstelle des Teiches war ein weiterer Meilenstein. Die damalige Situation mit dem Kraftwerk war nicht so rosig.

KK: Die gemeinsame Beschäftigung unter Gleichgesinnten in der Natur. Weiter machte mir die Tätigkeit im Vorstand als Protokollführer viel Spass. Mein Ansporn war, dass ich kurz nach der Vorstandsitzung alles ins Reine schrieb und meine Vorstandskollegen schon am nächsten Tag damit beliefern konnte.

Besucher am Teich – Biotop Am Stausee, 2009 (© J. Roth)

An welches Erlebnis im Zusammenhang mit dem „Biotop Am Stausee“ könnt ihr euch erinnern?

FN: Die Hochhaus-Geschichte 2001/2003: Die Kraftwerk Birsfelden AG, wollte ihr Reserveland umzonen lassen und an der Stelle wo sich der Teich des „Biotop Am Stausee“ befindet ein 74m hohes Hochhaus hinbauen. So wäre das ganze Naturschutzgebiet „Biotop Am Stausee“ in seiner Einheit mit seinen artenreichen Lebenräumen (Hecken-, Trocken- und Feuchtbiotop und den Kleinstrukturen) zerstört worden. Zum Glück wurde der 74m hohe Wohnturm vom Birsfelder Souverän verworfen. Dadurch konnte das Naturschutzgebiet erhalten bleiben.

TL: Ja, genau die leidige Hochhausgeschichte. Doch für mich überwiegt der Einflug des Dunkellaubsängers ins Gebiet 1992, ein Irrvogel aus Sibirien. Es war die Erstbeobachtung dieses Vogels überhaupt in der Schweiz, bis heute!

KK: Für mich war es immer eindrücklich, was durch das Mithelfen alles daraus entstehen und sich weiterentwickeln konnte.

Wenn ihr ein Vogel wärt, welcher wäre es und warum?

Weisssterniges Blaukehlchen im Biotop (© Fritz Liechti)

Weisssterniges Blaukehlchen – Biotop Am Stausee, 2013 (© Fritz Liechti)

 

 

 

 

FN: Ein Blaukehlchen. Der Langstreckenzieher legt in unregelmässigen Abständen im „Biotop Am Stausee“ (Weisssternige Blaukehlchen: 1. April 2013) oder auf der Kraftwerkinsel einen Zug halt ein. Dabei fasziniert mich die auffallende Blaufärbung von Kehle und Brust die das Männchen im Brutkleid zeigt. Das Rotsternige Blaukehlchen besuche ich regelmässig in seinem Brutgebiet in den Schweizer Alpen.

TL: Ein Steinadler, weil der die Möglichkeit hat von oben herab die schöne Natur sich anzuschauen.

KK: Die Amsel, wegen ihrem wunderbaren Gesang

Wenn ihr ein Säugetier wärt, welches wäre es und warum?

Siebenschläfer - Hardwald, Aug.2018 (©NVVB)

Siebenschläfer – Hardwald, Aug.2018 (©NVVB)

FN: Ein Siebenschläfer. Nicht etwa, weil sie den ganzen Tag verschlafen, sondern weil sie so drollige Knopfaugen und einen buschigen Schwanz haben. Ich habe die heimlichen Untermieter in den Nistkästen unserer Nistkastenanlage im Hardwald kennengelernt. Leider geht der Bestand zurück.

TL: Eigentlich der Homo sapiens, doch er hat sich leider zum „Destruk-ziensis“ in Sache Natur entwickelt.

KK: Der Bär, wegen meinen Emmentaler-Wurzeln „Berner-Bär

Habt ihr eine Lieblingspflanze?

FN: Generell die Orchideen haben es mir angetan. Die raren Spezies gibt es auch noch an einigen Standorten in unserer Gemeinde und werden meistens übersehen. Viele davon wurden leider durch falsche Grünflächenpflege aber auch zerstört.

TL: Ja, auch beim mir sind es die wildwachsenden Orchideen. Ich habe viele Orte in der Schweiz bereist, die als Hotspot für diese Art gelten. Leider werden durch moderne Pflegeeingriffe mit Maschinen diese Orte immer weniger. Auch in Birsfelden hat es noch weniger Bestände, vor allem im Hafengebiet.

KK: Mich beeindruckt die gesamte Pflanzenwelt und wie alles zusammenhängt

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera var. basiliensis) - Birsfelder Hafen, Mai 2015 (© NVVB)

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera var. basiliensis) – Birsfelder Hafen, Mai 2015 (© NVVB)

Das „Biotop Am Stausee“ gibt’s es nun schon 35 Jahre, seid ihr zufrieden was daraus geworden ist?

FN: Man darf nie zufrieden sein. Doch das „Biotop Am Stausee“ ist ein Kleinod und ist nicht mehr wegzudenken. Immer wieder lockt das „Biotop Am Stausee“ seltene Zugvogelarten wie Dunkellaubsänger, Gelbbrauen-Laubsänger oder Samtkopfgrasmücke an. Schade nur, dass das umliegende Gelände weitere Gestaltungsmöglichkeiten bzw. Vergrösserung momentan nicht zulässt.

TL: Doch, doch mehr kann man auf diesem 11’200 m2 Stücken Land nicht herausholen – Ich bin sehr zufrieden. Sowieso seitdem es darüber eine Vereinbarung gibt mit der Landbesitzerin.

KK: Ja, weil es sehr gut gepflegt wird, aber niemals zuviel, so das man manchmal meinen könnte, es sah dort immer so aus.

Dunkellaubsänger – schweizweit erste Sichtung im Biotop 1992

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, was wünscht ihr euch für die Zukunft des „Biotop Am Stausee“ und für die Naturvielfalt der Gemeinde Birsfelden?

FN: Ich wünsche mir, dass das „Biotop Am Stausee“ noch lange erhalten bleibt. Auch kleine Biotope (Lebensräume) sind für die Artenvielfalt und für die Vernetzung wichtig, da die Vernetzung die Artenvielfalt bestimmt. Gerade die Gemeinde Birsfelden sollte zur ihren letzten grünen Oasen Sorgen tragen. Der NVVB muss weiterhin dranbleiben und sich für das „Biotop Am Stausee“ Stark machen. Geht das Bewusstsein für solche Oasen verloren, wird es bald in der verbauten Gemeinde keine wilde Natur mehr geben. Bleibt zu hoffen, dass die Kraftwerk Birsfelden AG und die Gemeinde Birsfelden auch in Zukunft den Wert des Natur-Bijous erkennen und die Parzelle 1550 nicht überbauen. Deshalb muss der NVVB im Siedlungsraum unserer Gemeinde den Pflanzen- und Tierwelt vermehrt Hilfe leisten. Projekte, die Schuljugend in die Belange der Natur einzuführen hat der NVVB immer wieder unternommen. Doch als ehrenamtlicher Verein mit vielen Werktätigen ist es nicht immer einfach, solche Angebote anzubieten. Es ist daher auch die Aufgabe der Gemeinde dem nachzukommen.

TN: Es sollte mit dieser Vielfalt an Lebensräume genauso erhalten bleiben und das die „Biodiversität im Siedlungsraum“ verbessert wird. Das die heutigen Rasenflächen (Kulturwüsten) endlich in Blumenwiesen- /Blumenrasen verwandelt werden! Selbst in den Familiengärten sieht man eine Tendenz, dass ehemalige Gemüsebeete in konventionelle Rasenflächen verwandelt werden (Einzelne sogar 75%). Man stellt dann dort Wildbienenhäuser drauf, für was? Wenn keine Blütenpflanzen, die Nektar produzieren wachsen, welche die Hauptnahrung der Wildbienen sind?! Weiter hoffe ich, dass ich die teilweise doch noch intakte Natur lange geniessen darf.

KK: Ich hoffe, dass es in diesem Rahmen so erhalten bleibt und weiterhin engagierte Leute sich darum kümmern. Denn, man kann gar nicht ermässen, was die einzelnen Leute dafür aufbringen! Weiter erhoffe ich mir für Birsfelden, dass die Ausgewogenheit von Wohnen, Grünflächen, Industrie, Wald, so bleibt und nicht geopfert wird durch Projekte an der Bevölkerung vorbei. Gerade der geplante massive Verlust vieler alter Bäume im Zentrumsplanung und das in Zeiten des Klimawandels wo jeder ältere Baum eigentlich Gold-Wert sein müsste – Macht mir da grosse Sorgen!

Buntspecht - Biotop Am Stausee, Mai 2018 (© Deep Nature)

Buntspecht – Biotop Am Stausee, Mai 2018 (© Deep Nature)


Interview geführt durch Vorstandsmitglied: Judith Roth, im August u. November 2018


Serie 1-6
1: Fritz Raschdorf
2: Guido Müller
3: Heiner Lenzin
4: Fritz Liechti
5: Fredi Niffeler, Toni Lenz und Kurt Krüger
6: Örni Akeret

24. BASELBIETER NATURSCHUTZTAG – PFLEGEEINSATZ IM „BIOTOP AM STAUSEE“

Pflegeeinsatz BL-Naturschutztag - Biotop Am Stausee, 28.Okt.2018 (© NVVB)


Der sehnlichst erwartete Regen, hielt am letzten Samstag die 18 freiwilligen Helferinnen und Helfer nicht ab, zu unserem Pflegeeinsatz ins nun schon 35-Jahre alte „Biotop Am Stausee“ zu kommen, den wir wieder im Rahmen des Baselbieter Naturschutztages abhielten.

Folgende Arbeiten wurden erledigt

  • Zusammenrechen des Schnittgutes. (Die Wildblumenwiese und Teichumland wurde in der Woche vorab tierschonend gemäht)

  • Zurückschneiden der Äste bei den Kopfweiden, mit dem Schnittgut wurden teilweise die Asthaufen aufgefrischt, und in die Hecken hinter dem Teich verbaut, damit Igel, Amphbien & Co. eine Überwinterungsmöglichkeit haben

  • Der Steinhaufen wurde vom bewuchst befreit, dabei entdeckten wir ein grosses Wespennest im Todholz.

  • Im ganzen Gebiet wurden die Armenischen Brombeeren  rausgepickelt und wo nicht möglich so weit als möglich zurückgeschnitten

  • Im Teich wurden die Rohrkolben, Seerosen und Binsen dezimiert, damit die Wasserfläche offen bleibt. Auch die Verlandungstellen am Teichrand wurden etwas zurückgebunden

  • Bei dem im Frühjahr reaktivierten Trockenstandort auf dem Hügel, wurden die hereinwachsenden unerwünschten Pflanzen rausgepickelt. Dabei entdeckten wir Bergmolche,  die sich für die Winterpause am eingraben waren. Natürlich wurde die Arbeit vorsichtig ausgeführt, damit wir den Molchen keinen Schaden zu führten.

Da der Regen zum guten Glück nicht so stark war, aber die Nässe langsam in die Knochen kroch, durften wir im Schärmen des Tennis-Clubhauses vom TC Birsfelden unser Z’nüni einnehmen. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Pflegeeinsatz BL-Naturschutztag - Biotop Am Stausee, 28.Okt.2018 (© NVVB)

Alte Obstsorten des Vereins Edelchrüsler

Unser Vereinsmitglied Heiner Lenzin hatte übrigens ein kleiner Ausschnitt der alten Obsorten-Ausstellung des Vereins Edelchrüsler mitgenommen und uns beim Froschbrunnen präsentiert. Danke Heiner!

Nach der Stärkung im Trockenen, gingen alle wieder freudig an die Arbeit, die wir dann bis kurz vor 12 Uhr erledigt haben.

Es war – trotz Regen -, wieder ein schöner kurzweiliger herbstlichen Samstagmorgen und wir bedanken uns ganz herzlich bei allen die wieder mitgeholfen haben und so einen grossen Beitrag geleistet haben für die Förderung der Biodiversität in Birsfelden – Ihr wart einfach Grossartig!

Es grüsst euch der Vorstand des


Der nächste Baselbieter Naturschutztag findet am Samstag, 26. Oktober 2019 statt, also Vormerken und Mithelfen kommen :-)


Impressionen vom Einsatz, gibt’s hier in unserem Flickr-Album

Starke Männer im Teich (©NVVB)

HECKENEINSATZ MIT PRIMARSCHULE STERNENFELD 2018

Heute morgen kamen wieder eine fleissige Primarschulklasse des Sternenfeld Schulhauses, um den Heckanteil zu den Familiengärten freizuschneiden und auch einige Sträucher am Wegrand auf Stock zu setzen.

Wir danken den 19 Schülerinnen und Schülern der Klasse P5d und ihren Lehrern – des Sternenfeld Schulhaus-, herzlich für ihren tollen Einsatz für unsere heimische Natur!

Unserem Vereinsmitglied Hans-Peter Moser ein riesen Dankeschön für seinen Einsatz mit den Schulkindern!


Tipps: Hecken – richtig pflanzen und pflegen – PDF

 

INTERVIEW-SERIE 4/6: 35 JAHRE „BIOTOP AM STAUSEE“

Fritz Liechti - August 2018 (© NVVB)

Fritz Liechti – August 2018 (© NVVB)


35-jähriges Bestehen des „Biotop Am Stausee“ – Mitglieder erzählen wie alles begann Und mehr…

Interview mit Fritz Liechti
(NVVB-Präsident von 2005 bis 2009)

Stell dich bitte in 2 Sätzen kurz vor
Bin nun Rentner und sehr Naturverbunden. Ohne Feldstecher und Kamera* läuft bei mir im Freien nichts.

Wie ist deine Liebe zur Natur entstanden?
Durch meinen Vater, der mich schon als kleinen Bub mit in den Wald und die Natur als solches mitnahm und mir so sehr vieles Beibringen konnte.

Was hat dich dazu bewogen sich für die Anliegen der Natur im Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zu engagieren?
Durch Zufall erfuhr ich von einer Exkursion durch den NVVB ins Lötschental. Da war mein Interesse sofort da. Ich wollte aber nicht einfach profitieren und legte meiner Anmeldung zur Teilnahme, sogleich eine solche als Mitglied für mich und meine Frau bei.

Zeitungsartikel Eichenpfanzung

BZ-Zeitungsartikel Eichenpfanzung – November 2007

Du warst jahrelang Vorstandsmitglied und von 2005 bis 2009 NVVB-Präsident, was war(en) dein(e) grössten Erfolg(e)?
Das Pflanzen von 800 jungen Eichen am 17. Nov. 2007, finanziert vom NVVB. 20 Leute vom NVVB pflanzten gemeinsam zusammen mit den Forstmitarbeitern der Bürgergemeinde Basel diese Eichen. 2008 gab es nochmals eine Zusammenarbeit mit der Unterstützung einer Birsfelder Schulklasse, da pflanzten wir 150 einheimischen Sträuchern am Burenweg ein, finanziert durch die Bürgergemeinde Basel.

Auch als Mitglied der Biotopkommission warst du tätig, da habt ihr euch intensiv um die Pflege des „Biotop Am Stausee“ gekümmert, was stand da alles in eurem Aufgabebereich (Pflegemassnahmen etc.)?
Leider war zu meiner Zeit als Präsident kein guter Moment. Die Pflege des Vorhafens musste abgegeben werden und im „Biotop Am Stausee“ durften wir nur das Nötigste vornehmen. Die Erklärung folgt bei bei der nächsten Frage.

Teich zugewachsen - Biotop Am Stausee, April 2011 (© Andreas Müller)

Teich am verlanden – Biotop Am Stausee, April 2011 (© Andreas Müller)

An welches Natur-Erlebnis im Zusammenhang mit dem „Biotop Am Stausee“ kannst du dich besonders erinnern?
Die grosse Erleichterung, nach der Ablehnung des Hochhauses (GVS-Abstimmung 2001/2003), welches an der Stelle des Teiches gebaut worden wäre und somit das regional beteutenden Naturschutzgebiet mit den verschiedenen Biotop-Typen zerschnitten und somit diese Lebensräume zerstört worden wären. Dank den Einsatz der Birsfelder Stimmbevölkerung für das Weiterbestehen dieses regionalen Naturschutzgebiets, gibt es das wertvolle Gebiet bis heute.

Steinadler (© Bernhard Müller)

Steinadler (© Bernhard Müller)

Wenn du ein Vogel wärst, welcher wäre es und warum?
Der Steinadler, wie er sich in die Lüfte schwingen und sich dann tragen lassen kann hat mich immer fasziniert.

 


Wenn du ein Säugetier wärst, welches wäre es und warum?
Das Murmeltier, da könnte ich während der kalten Jahreszeit schlafen ;-)

Hast du eine Lieblingspflanze?
Alpenglöckchen (Soldanélla alpina), bringt für mich den Frühling in die Berge zurück.

Das „Biotop Am Stausee“ gibt’s es nun schon 35 Jahre, bist du zufrieden was daraus geworden ist?
Ja, nachdem nun vieles wieder Freude macht.

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, was wünscht du dir für die Zukunft des „Biotop Am Stausee“ und für die Naturvielfalt der Gemeinde Birsfelden?
Dass noch viel mehr Menschen begreifen wie wichtig die Natur im unmittelbaren Siedlungsraum für Bedeutung hat und auch wenn das „Biotop Am Stausee“ nur klein ist, ohne dieses Kleinod wäre Birsfelden was die Natur anbelangt um vieles Ärmer.

Weisssterniges Blaukehlchen - Biotop Am Stausee, April 2013 (© Fritz Liechti)

Weisssterniges Blaukehlchen – Biotop Am Stausee, April 2013 (© Fritz Liechti)


Interview geführt durch Vorstandsmitglied: Judith Roth, im August 2018 / *Fritz hat schon viele tolle Naturaufnahmen von Vögeln, Schmetterlinge, Libelle u. Co. gemacht und stellt sie uns immer mal wieder zur Verfügung – Danke!

Eine verkürzte Version wurde auch im Birsfelder Anzeiger vom 9. November 2018 veröffentlicht
→ Ohne dieses Kleinod wäre Birsfelden um vieles ärmer


Serie 1-6
1: Fritz Raschdorf
2: Guido Müller
3: Heiner Lenzin
4: Fritz Liechti
5: Fredi Niffeler, Toni Lenz und Kurt Krüger
6: Örni Akeret

 

INTERVIEW-SERIE 3/6: 35 JAHRE „BIOTOP AM STAUSEE“

Heiner erklärt den Blutweiderich - Biotop Am Stausee, August 2018 (© NVVB)


35-jähriges Bestehen des „Biotop Am Stausee“ – Mitglieder erzählen wie alles begann Und mehr…

Interview mit Heiner Lenzin
(NVVB-Gründungsmitglied und NVVB-Präsident von 1991 bis 2005)

Stell dich bitte in 2 Sätzen kurz vor
Ich bin ein nun bald einmal 60jähriger, der seiner Linie treu geblieben ist und für die Natur aber auch benachteiligte Menschen einsteht, weil sich diese meist nicht selber helfen können.

Wie ist deine Liebe zur Natur entstanden?
Ich war schon mit meinen Eltern viel zu Fuss unterwegs, aber „dr Ärmel inezooge“ hat es mir in einem Jugendlager von Pro Natura im „Wauwilermoos“ (LU).

Gibt es ein Thema im Naturschutz, dass dich besonders fasziniert?
Was soll mich daran faszinieren? Ich würde lieber nur die Natur geniessen. Ich bin der Überzeugung, dass Naturschutz unser ethischer Auftrag, aber auch für das langfristige Überleben der Menschheit notwendig ist.

Wie kam es dazu, dass du Gründungsmitglied des NVVBs bist?
Ich wurde als 13-Jähriger von den Ornithologen und Naturschützern des damaligen Vereins (OGBirsfelden: Heute OG-Gimpel) aufgenommen und bestens betreut, sodass ich nach einem leidigen Streit, bei den Leuten des Vereins, die sich vermehrt für die Anliegen des Naturschutzes stark machten, zusammengeblieben bin und somit auch Mitglied wurde des neu gegründeten NVVB.

Was hat dich dazu bewogen, dich für die Anliegen der Natur im Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zu engagieren?
Ich wurde schon als Jugendlicher, und ich war sicher kein einfacher Teenager, ernst genommen, bestens betreut und wunderbar unterstützt. Ich verdanke den „Urgesteinen“ des Vereins menschlich und fachlich enorm viel.

Du warst von 1991 bis 2005 NVVB-Präsident. Was war(en) dein(e) grössten Erfolg(e) als Präsident?
In meiner Zeit wurde das Naturschutzgebiet am Rande des Hardwaldes, die „Weiheranlage Hard“, geschaffen. Dieses wurde angelegt, damit die Amphibien bei ihrer Wanderung zum Laichgewässer (damals in der Staatsgrube) nicht auf der Hardstrasse überfahren werden. Diese drei Ersatzlaichgewässer gibt es in diesem Jahr auch schon 25 Jahre und sie funktionieren als Laichgewässer sehr gut.

NVVB Spechtkurs 1999

Spechtkurs 1999

Weiter wurde in meiner Zeit, die direkte Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert. Ich möchte aber betonen, dass unsere Naturschutzarbeit nur dank den vielen engagierten Vorstands- und Vereinsmitgliedern funktioniert hat. – So war es nie „nur“ mein Erfolg.

 

An welches Natur-Erlebnis im Zusammenhang mit dem „Biotop Am Stausee“ kannst du dich besonders erinnern?
Am Teich habe ich einmal an einem Herbsttag über eine Stunde Bartmeisen beobachten können, wie sie sich an den Samenständen der Rohrkolben gütlich getan haben.

Neuntöter Männchen - Biotop Am Stausee 2016 (© NVVB)

Neuntöter Männchen im „Biotop Am Stausee“ 2016 (© NVVB)

Wenn du ein Vogel wärst, welcher wäre es und warum?
Ein Neuntöter. Ich freue mich immer riesig, wenn ich diesen Vogel auf seinen Warten in dornigen Strauchstrukturen auf Magerwiesen und -weiden sehe.

Wenn du ein Säugetier wärst, welches wäre es und warum?
Ein Luchs, immer unterwegs, wenig gesehen.

Hast du eine Lieblingspflanze?
Das ist für einen Botaniker eine schwierige Frage. Aber nachdem ich mich mehrere Jahre mit dem hochalpinen Himmelsherold beschäftigte, habe ich zu dieser Pflanze schon eine besondere Beziehung.

Warum gibt es das heutige „Biotop Am Stausee“ überhaupt?
Weil Mitglieder des NVVB und Bewohner des Sternenfeldquartiers an einem Strick gezogen haben und zusammen als Gemeinschaft für die Sternenfeldbewohnern und die Natur etwas Nachhaltiges schaffen wollten.

Bist du zufrieden mit dem, was daraus geworden ist?
Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich freue mich, dass es erstens ein wertvoller Lebensraum für viele einheimische Tiere und Pflanzen ist und zweitens, dass damit den Birsfelder Schulkindern die Natur und die Wichtigkeit deren Schutzes nähergebracht werden können.

Trockenbiotop - Biotop Am Stausee, Sept. 2018 (© NVVB)

Trockenbiotop, Sept. 2018

Hattest du noch andere solche Ideen für Birsfelden?
Ich gehe davon aus, dass das Leben in einer dichtbesiedelten Welt und den damit wachsenden Umweltproblemen nur zu schaffen ist, wenn Natur in allen Bereichen unseres Lebensraumes und unseres Lebens erhalten und gefördert wird. Insofern hatte und habe ich immer noch viele Ideen.

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, was du dir für die Zukunft des „Biotop Am Stausee“ und für die Naturvielfalt der Gemeinde Birsfelden wünscht?
Der Erhalt des „Biotop Am Stausee“ muss oberste Priorität haben. Ansonsten muss gerade in der stark überbauten Gemeinde Birsfelden, in der schon viel Natur verloren gegangen, überall zwischen und an Gebäuden wieder Platz für Lebewesen geschaffen werden. Die Förderung der Biodiversität in den Siedlungen sind keine Träumereien von uns Naturschützer, sondern aus ökologischer Sicht auch für den Menschen eine Notwendigkeit und somit eine wichtige und grosse Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen.

Möchtest du sonst noch was loswerden?
Ich freue mich über den aktuellen sehr aktiven Vereinsvorstand und möchte dieses Interview nutzen, diesem ganz herzlich für seine tolle Arbeit zu danken.

Schleuse mit Biotop 1985_Fotoarchiv Dokumentationsstelle Gemeinde Riehen, Fotograf unbekannt

Schleuse mit „Biotop Am Stausee“ noch ohne Bäume und Sträucher, 1985

Interview geführt durch Vorstandsmitglied: Judith Roth, im August 2018

Eine verkürzte Version wurde auch im Birsfelder Anzeiger vom 14. September 2018 veröffentlicht
→ Der Erhalt des „Biotops Am Stausee“ muss oberste Priorität haben


Serie 1-6
1: Fritz Raschdorf
2: Guido Müller
3: Heiner Lenzin
4: Fritz Liechti
5: Fredi Niffeler, Toni Lenz und Kurt Krüger
6: Örni Akeret