Tag Archive for 'birsfelden'

Sommerimpressionen vom Sternenfeldbiotop

Auch während der Sommermonate ist das Sternenfeldbiotop in Birsfelden ein gut besuchter  Naturgarten!

Naturschutz in der Schweiz – Darf uns das egal sein?

Die Titelgeschichte des aktuellen Beobachters (Nr. 14, 9.Juli 2010):

«Darf uns das egal sein? – Die Schweiz unterschätzt den Wert einer intakten Umwelt»

Gibt einen guten Einblick in die momentane Situation der Schweiz, wie Sie ihre Landschaften, Pflanzen- und Tierarten schützt, aber meistens leider nur auf dem Papier.

Natur im Siedlungsraum - Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Hier die Beobachter-Artikel-Links dazu:

Frühe Adonislibelle am Teich - Sternenfeldbiotop (© Thomas Blum)

Online-Petition: Pro Natura – «Schützen wir die Biodiversität jetzt!» und des Schweizer Vogelschutz / SVS BirdLife Schweiz:

Der einmalige Naturgarten Birsfeldens - Sternenfeldbiotop 2010 (© J.Roth)

Hier die wichtigen Lebensräume des Sternenfeldbiotops in Birsfelden – Artenvielfalt im unmittelbaren Siedlungsraum:

Bläuling im Morgenlicht (© Thomas Blum)

Heckenbiotop: Sträucher und Bäume im Sternenfeldbiotop in Birsfelden Teil 4/4

Sternenfeldbiotop Birsfelden - Die Übersicht ©GoogleEarth

Teil 4: Heckenbiotop: Sträucher und Bäume

Hecken, Einzelsträucher und Bäume sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. Sie verbinden Lebensräume miteinander und sind ein wichtiger Bestandteil des Biotopverbundes. In Hecken herrschen auf kleinstem Raum ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Hecken ermöglichen es den Tieren, geschützt von einem Lebensraum zum anderen zu wandern. Verschiedene Tierarten finden in strukturreichen Hecken Schutz, Nahrung, geeignete Brutstätten und Überwinterungsquartiere. Die  Strauchzusammensetzung (einheimische Arten!) sowie ein vorgelagerter Krautsaum entscheiden über den Tierreichtum in der Hecke. Obwohl Hecken durch menschliche Tätigkeit entstanden, sind sie ein Stück Natur! Denn es sind gerade die natürlichen Einflüsse, die jeder Hecke ihren eigentümlichen Charakter verleihen. Auch Menschen erfreuen einheimische Büsche mit ihrer Blütenpracht im Frühling und im Herbst. Hecken sind vor allem dann wertvoll, wenn sie eine Vielfalt an einheimischen Sträuchern aufweisen und wenn Ast- und Laubhaufen darin angelegt werden. Sie sollen selektiv und abschnittsweise gepflegt werden. Ein jährlicher Radikalschnitt in einen Viereck- oder Rundform ist der Tod einer Naturhecke!

Die Hecken, Einzelsträucher und Bäume im Sternenfeldbiotop

Die Hecken mit Sträuchern und Bäume im Sternenfeldbiotop Birsfelden, bestehen teilweise seit rund 27 Jahren und es hat sich darin und drum herum viel getan. Ein kleiner Blick zurück in die Geschichte, zeigt den Verlauf dieses wertvollen Lebensraums für eine Vielzahl einheimischer Tier- und Pflanzenarten:

Frühere Bedeutung und Nutzung

Erste Schleuse 1975 (© Fritz Raschdorf)

Auf der Kraftwerkparzelle 1550 ist einiges passiert. Die Geschichte der Hecken mit Sträuchern und Bäumen beginnt mit dem Bau der 2. Schleuse des Kraftwerks Birsfelden (1977). Der bis zum Bau jährlich auf dem Areal 1550 angebaute Mais verschwand. Der beim Bau angefallene Aushub wurde 6 Jahre lang auf dem ehemaligen Maisacker abgelagert. Es entstand für kurze Zeit ein kleines wildes Kinderparadies für die benachbarte Wohnüberbauung Sternenfeld. Nach der Fertigstellung der 2.Schleuse (Einweihung 1979), wurde die Parzelle 1550 wieder zu einem Acker umgepflügt und gleichzeitig im Auftrag des Kraftwerks nach einer Lösung für die weitere Nutzung gesucht. Der Wunsch des Kraftwerkes war, der Gemeinde Birsfelden die Hege und Pflege des Areals zu übertragen. Nach vielen Diskussionen und Abstimmungskämpfen gelang ein Kompromiss , der die heutige Einteilung der Kraftwerkparzelle in Familiengärten, Tennisplätzen und dem «Hecken-, Wiesen- Trocken-, Feucht-Biotop»,  dem sogenannte Sternenfeldbiotop zur Folge hatte. Da solcher Lebens- und Erholungsraum immens wichtig sind für die Wohnbevölkerung, wurden damals ganz bewusst in die Gestaltungspläne dieses Naturgartens einbezogen.

Zur Entstehung der Hecken mit Sträuchern und Bäumen seit 1983

Sternenfeldbiotop 1983 (© Fritz Raschdorf)

Nachdem der Teich mit den Umgebungsarbeiten erledigt war, hat man angefangen verschiedene einheimische Sträucher, Bäume zu pflanzen. Dazu brauchte es wieder die fleissigen Hände vieler Freiwilligen und die Zusammenarbeit mit dem Quartierverein Birsfelden (Gründung, dank der “Aktion 1550″ für die Natur und den es ohne das damalige Engagement für das Biotop nicht geben würde!) und dem Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB). Das Hauptaugenmerk auf einheimische Wildsträucher und Bäume ist entscheidend über den Tierreichtum, denn man für die Zukunft der Hecke erwarten möchte. Da nur einheimische Wildsträucher den Tieren ausreichend Nahrung bieten, hat man auf exotische Sträucher verzichtet!

Diese Heckensträucher wurden 1983 angepflanzt:

  • Pfaffenhütchen (Evonymus europaeus)
  • Weissdorn (Crataegus monogyna)
  • Schwarzdorn (Prunus spinosa)
  • Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
  • Liguster (Ligustrum vulgare)
  • Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
  • Aschgraue Weide (Salix cinerea)
  • Föhre (Pinus sylvestris)
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
  • Brombeere (Rubus spec)
  • Gemeiner Kreuzdorn (Rhamnus catherticus),
  • Faulbaum (Frangula alnus)
  • Hagebuche (Carpinus betulus)

Heutige Bedeutung

Eine Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Distelfink, ja sogar ein Zaunkönig schmettern ihre Liedchen aus dem Gebüsch. Ein Ringeltaubenpärchen gurrt auf einem Baum. Ein Igel sucht sich Unterschlupf. Eine Maus huscht vorbei. Es raschelt und knackt. Viele Sträucher stehen in voller Blütenpracht. An den Früchten der einheimischen Vogelbeere tun sich über verschiedene Vogelarten gütlich. Ebenso verhält es sich bei den Insekten. Am einheimischen Schwarzdorn leben bis zu 200 Insektenarten. So Extensiv genutzte Heckensäume sind echte Paradiese für eine Vielzahl von Wildkräutern. Hier finden zudem Bodenbrüter ungestörte Nistplätze. Käfer benutzen sie zum Überwintern. Bienen und Schmetterlinge profitieren vom reichen Blütenangebot, und Heuschrecken können sich darin auch dann noch ernähren, wenn die angrenzende artenreiche Blumenwiese (siehe Teil 2!) abgemäht ist.

Eichenbaum und Hecken im Sternenfeldbiotop in Birsfelden (© J.Roth)

Charakteristische Pflanzen und Zoologische Bedeutung

Kinder der 3A (Kirchmatt) arbeiten im Biotop (© J.Roth)

Die Pflege der Hecke ist nicht nur notwendig, sie ist auch eine besondere Chance, der Artenvielfalt neue Impulse zu geben. Die fachgerechte Pflege einer Hecke trägt den unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten der Sträucher Rechnung, versucht den Strukturreichtum zu steigern und verbessert dadurch die Lebensbedingungen der typischen Heckenbewohner. Die Sträucher und Bäume sind daher vom Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) immer mal wieder zurückgeschnitten worden, oft auch mit der Mithilfe von Schulklassen der Gemeinde Birsfelden. Denen so die Naturvielfalt im unmittelbaren Siedlungsraum näher gebracht werden konnten. (Näheres hier: Birsfelder Schulklasse pflegte das Biotop!)

Nachfolgende Sträucher und Bäume konnten nun bestimmt werden:

  • Aschgraue Weide * (Salix cinerea)
  • Birken (Betula)
  • Brombeere * (Rubus spec)
  • Eingriffeliger Weissdorn * (Crataegus monogyna)
  • Europäische Lärche (Larix decidua)
  • Faulbaum (Frangula alnus)
  • Föhre * (Pinus sylvestris)
  • Gemeiner Kreuzdorn * (Rhamnus catherticus)
  • Goldregen (Laburnum anagyroides)
  • Hagebuche * (Carpinus betulus)
  • Hartriegel * (Cornus sanguinea)
  • Haseln (Corylus)
  • Hohe Heckenrose !!!(Rosa agrestis)
  • Hunds-Rose (Rosa canina)
  • Liguster * (Ligustrum vulgare)
  • Pfaffenhütchen * (Evonymus europaeus)
  • Sal-Weide (Salix caprea)
  • Sanddorn * (Hippophae rhamnoides)
  • Schwarzdorn, auch Schlehdorn * (Prunus spinosa)
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
  • Rote Heckenkirsche * (Lonicera xylosteum)
  • Vogel-Kirsche (Prunus avium)
  • Wolliger Schneeball * (Viburnum lantana)
  • Traubeneiche (Quercus petraea)
  • Zweigriffelige Weissdorn (Crataegus laevigata)

Diverse Wildrosenarten, als Abgrenzung zu den Familiengärten.

* Diese Arten gehen auf die Einpflanzungen durch den Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zurück.

!!! Geschützte Pflanzen, laut der Verordnung des Kantons Baselland, über den Schutz der einheimischen Pflanzen- und Tierarten (Artenschutzverordnung).

Goldregen in der Blumenwiese (© J.Roth)

Typische Tierarten, die man hier antreffen kann:

  • Distelfink (Carduelis carduelis)
  • Dorngrasmücke (Sylvia communis)
  • Fitis (Phylloscopus trochilus)
  • Gartengrasmücke (Sylvia borin)
  • Gemeine Sichelschrecke (Phaneroptera falcata)
  • Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
  • Heckenbraunelle (Prunella modularis)
  • Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
  • Zauneidechse (Lacerta agilis)
  • Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

und einiges mehr…

Je älter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt!

Heckenbraunelle

Beobachtungstipps:

  • Den Vögeln im Herbst beim Beeren fressen zuschauen: Am schnellsten weg sind oft die Beeren des Schwarzen Holunders.
  • In welchem Strauch machen die Vögel am liebsten ein Nest? – Oft ist es ein Dornenstrauch.
  • Am meisten Natur beherbergen die  Dornensträucher (Schwarz- und Weissdorn, Heckenrose, Kreuzdorn).

Zukunft und Schutzbestrebungen

Hecken im Birsfelder Naturschutzgebiet (© J.Roth)

Das Ziel war es, eine artenreiche Hecke mit einheimischen Sträuchern und Bäumen entstehen zu lassen. Je älter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt. Auch im Siedlungsraum sind Hecken von Bedeutung, da sie als Rückzugsmöglichkeit für Nützlinge dienen. Nun, auf dem besten Wege dahin sind sie gefährdet und soll nach dem Willen des Kraftwerks Birsfelden wieder verschwinden, weil angeblich ein landschaftsarchitektonischer Park entstehen soll. Wer soll das verstehen? Aus heutiger Sicht ein beschämendes Vorhaben. Dabei sind Hecken wichtige Zufluchtsorte für Vögel, die aus dem benachbarten und dichtbesiedelten Gebiet immer mehr verdrängt werden. Die Erhaltung und Neuschaffung ist deshalb nötiger denn je!

Gerade in einer Zeit, inder Naturgärten mit einheimischen Bäumen und Sträuchern, usw. im Trend liegen, sollten Kantonsunternehmen, welche “nur” Dank der Natur – Ökostromgewinne erziehlen- , diese schützen!

In neuerer Zeit verkauft die Kraftwerks AG ihren Ökostrom als «Regiostrom» mit einem Aufpreis von 2 Rappen/kWh an den Energieversorger EBM (Baz. vom 28.4.2010). Es ist daher mehr als angebracht, einen Teil des Gewinns an die Natur zurückzugeben, sowie bei jedem zertifizierten Unternehmen des «Naturmade»-Lable vorgesehen. Der artenreiche Lebensraum „Biotop am Stausee“ ist zu erhalten und nicht zu beseitigen!

Gerade in einer Zeit, in der Naturgärten im Trend liegen, sollten Kantonsunternehmen, diesen nicht verschlafen!

Farbenfrohe Naturvielfalt anstatt Einheitsgrün!

Birken im Sternenfeldbiotop in Birsfelden (© J.Roth)

Ökologische Funktionen und Pflege

  • Hecken sind Brutraum für Vögel. Im Sternenfeldbiotop brüteten folgende Vogelarten: Haussperling, Heckenbraunelle, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke, Amsel u.a.
  • Hecken sind Rastplatz für durchziehende Vögel. So konnten im Sternenfeldbiotop zu gewissen Zeiten Distelfink, Mönchsgrasmücke, Fitis und Zilpzalp beobachtet werden.
  • Hecken sind nicht nur für Vögel ein wichtiger Brutplatz, auch Frösche, Molche nutzen die feuchten Stellen unter den Sträuchern.
  • Hecken bieten Schutz vor Feinden.
  • Hecken sind Nahrungsraum. Sie bieten Nüsse und Beeren für Säugetiere und Vögel, oder Holz und Blätter für Insekten.
  • Um ein möglichst reichhaltiges Nahrungsangebot zu gewährleisten, sollten die Hecken ausschliesslich einheimische, standortgerechte Wildsträucher verwendet werden.
  • So sind z.B. Kreuzdorn und Faulbaum Futterpflanzen für die Raupen des Zitronenfalters. Im Winter sind als Nahrungsgäste oft Distelfinken zu beobachten.
  • Ein Auslichtungs- oder Rückschnitt alle 1-3 Jahre kann nötig sein, um die Hecke nicht zu hoch werden zu lassen. Wichtig ist, dass die Wildsträucher nicht alle auf der gleichen Höhe abgeschnitten werden, sondern dass schnell wachsende Sträucher stärker und langsam wachsende weniger stark zurückgeschnitten werden! Zudem soll die Hecke im Herbst oder im frühen Frühling – vor der aktiven Zeit der Vögel und Amphibien – und in Etappen zurückgeschnitten werden.

    Kirschbaum im Sternenfeldbiotop in Birsfelden (© J.Roth)

Zusatzinfo:

Brennesseln – Lebensgrundlage von Schmetterlingen

Kleiner Fuchs (© Thomas Blum)

Der vielfältige Krautsaum zu den Hecken im Sternenfeldbiotop, bildet einen ungestörten Rück­zugsort zwischen Gehölzen und artenreichen Blumenwiese. An machen Stellen ist die Brennessel reich vertreten. Sie schützt mit ihren

schmerz­haften Brennhaaren nicht nur sich selber, sondern auch Lebewesen, die darin zu leben wissen. Zum Beispiel legen vier Schmetterlingsarten ihre Eier auf der Brennessel ab: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral und Landkärtchen. Sie sind zur Vermehrung auf Standorte wie diesen ange­wiesen! Deshalb sollte bei der Pflege darauf geachten werden mit dem Schnitt abzuwarten bis sich die Schmetterlingsraupen entwickelt haben und als farbenprächtige Schmetterlinge ausgeflo­gen sind!

Hundsrose im Sternenfeldbiotop in Birsfelden (© J.Roth)

PDF-DokumentHecken sind ökologische und ökonomisch interessant

PDF-Dokument Gemeinde Birsfelden nennt Biotop reizvoll!

Sternenfeldbiotop – Jede Spende hilft!

Jede Spende ermöglicht es dem Komitee: Nein zur Zerstörung des Biotops, noch mehr für die Natur im Siedlungsraum zu tun.

Spendenkonto: Koto-Nr. 40-44-0

IBAN CH45 0076 9016 5100 6463 8

Basellandschaftliche Kantonalbank

4144 Liestal

Zugunsten: «Grüne – Biotop Birsfelden»

Postfach 330

4127 Birsfelden

(Spenden bitte immer mit dem Vermerk «Grüne – Biotop Birsfelden» versehen.)

Vielen Dank!

Sind Sie Medienschaffende/r, dann melden Sie sich bitte bei unserem Medienverantwortlichen!

Komitee NEIN zur Zerstörung des Biotops
Postfach 330
4127 Birsfelden
E-mail: facebook@biotop-birsfelden.ch

Weiden und Hecken im Sternenfeldbiotop Birsfelden (© J.Roth)

Eine Zusammenarbeit von F. Schreier (Homepagesupport), J. Roth (Homepagebetreuung, Text u. Bildmaterial), F. Raschdorf (Mitbegründer; Textmithilfe u. Artenliste der Anfängen), fachlicher Unterstützung von Örni Akeret (Dr. Biologie Uni Basel; Präsident des NVVB), Die Makrobilder stammen von Th. Blum u. Diversen. Vogelbeobachtungen seit den Anfängen von Dr. med. Georges Preiswerk, (Mitglied der Schweizerischen Avifaunistische Kommission (SAK) von 1999 bis 2009. Mitglied der ornithologischen Gesellschaft Basel (OGB), berichtet über das Reservat in den Langen Erlen). Stand Juni 2010.

Trockenbiotop: Kleinstrukturen, wie Trockensteinmauer und Steinhaufen im Sternenfeldbiotop in Birsfelden Teil 3/4

Sternenfeldbiotop Birsfelden - Die Übersicht ©GoogleEarth

Teil 3: Trockenbiotop: Kleinstrukturen – Trockensteinmauer und Steinhaufen

In den Ritzen und Spalten einer Trockensteinmauern und eines Steinhaufen sucht eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten Schutz und Lebensraum. Für Schmetterlinge können sie Wärmequellen, Paarungsplätze, Winter- und Nachtquartiere sein. Marienkäfer zum Beispiel versammeln sich oft unter einem Stein und überwintern dort. Wenn die Steine mit Algen, Flechten oder Moosen bewachsen sind, findet sich darauf eine spezialisierte Fauna von Kleinschmetterlingen und Schnecken. Eine Trockensteinmauer und Steinhaufen wird ohne Zement und Mörtel gebaut. Sie verformt sich im Laufe der Jahre. Kleinstrukturen sind also überlebenswichtige, naturnahe Lebensraumelemente für zahlreiche Insekten, Amphibien, Reptilien, Vogelarten und Säugetiere.

Die Trockensteinmauer und Steinhaufen im Sternenfeldbiotop

Sie bestehen nun seit rund 27 Jahren und es hat sich darin und darauf viel getan. Ein kleiner Blick zurück in die Geschichte, zeigt den Verlauf dieses wertvollen Lebensraums für eine Vielzahl einheimischer Tier- und Pflanzenarten auf.

Frühere Bedeutung und Nutzung

Erste Schleuse 1975 (© Fritz Raschdorf)

Auf der Kraftwerkparzelle 1550 ist einiges passiert. Die Geschichte der Trockensteinmauer und des Steinhaufen beginnt mit dem Bau der 2. Schleuse des Kraftwerks Birsfelden (1977). Der bis zum Bau jährlich auf dem Areal 1550 angebaute Mais verschwand. Der beim Bau angefallene Aushub wurde 6 Jahre lang auf dem ehemaligen Maisacker abgelagert. Es entstand für kurze Zeit ein kleines wildes Kinderparadies für die benachbarte Wohnüberbauung Sternenfeld. Nach der Fertigstellung der 2.Schleuse (Einweihung 1979), wurde die Parzelle 1550 wieder zu einem Acker umgepflügt und gleichzeitig im Auftrag des Kraftwerks nach einer Lösung für die weitere Nutzung gesucht. Der Wunsch des Kraftwerkes war, der Gemeinde Birsfelden die Hege und Pflege des Areals zu übertragen. Nach vielen Diskussionen und Abstimmungskämpfen gelang ein Kompromiss , der die heutige Einteilung der Kraftwerkparzelle in Familiengärten, Tennisplätzen und dem «Hecken-, Wiesen- Trocken-, Feucht-Biotop»,  dem sogenannte Sternenfeldbiotop zur Folge hatte. Da solcher Lebens- und Erholungsraum immens wichtig sind für die Wohnbevölkerung, wurden damals ganz bewusst in die Gestaltungspläne dieses Naturgartens einbezogen.

Zur Entstehung der Kleinstrukturen seit 1983

1983/ Biotop - Anfang (© A. Roth)

Aus dem Aushubmaterial und den vielen eingesammelten Steinen, hat man hinter dem Teich einen  kleinen Steinhaufen aufgeschichtet. Bei der Erhöhung in der Blumenwiese (ursprünglich war hier ein Trockenbiotop geplant), hat man als Abgrenzung eine kleine Trockensteinmauer angelegt. Es wurden vorwiegend flache Steine verwendet. Wichtig war auch eine gute Drainagenschicht aus Kies und Sand hinter und unter der Trockensteinmauer.

Es wurden, weder bei der Trockensteinmauer, wie auch beim Steinhaufen  Pflanzen eingepflanzt, sondern man überliess es der Natur dafür zu sorgen!

Heutige Bedeutung

Eidechsen, Molche, vielleicht auch mal Blindschleichen verkriechen sich gerne in den kühlen Spalten. Hummeln und Wildbienen finden Unterschlupf, ebenso Laufkäfer, Spinnen und Asseln. In feuchteren Lagen gedeihen in den Ritzen, wo sich Humus angesammelt hat, auch Farne, Efeu und das Zimbelkraut. An sonnigen, heissen Mauern wachsen verschiedenen Mauerpfeffer. Der Blütenreichtum dieser Pflanzen lockt Insekten und Schmetterlinge an. Die Eidechsen nehmen auf den Steinen gern ein Sonnenbad und legen ihre Eier zwischen die erwärmten Steine, so dass sie dort auf natürliche Weise ausgebrütet werden. Gern wird der Steinhaufen auch als Überwinterungsplatz von verschiedenen Kriechtieren benutzt.

Mit den Jahren wurde die Trockensteinmauer und der Steinhaufen immer reicher, vielfältiger und schöner.

Steinhaufen hinter dem Teich im Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Charakteristische Pflanzen und Zoologische Bedeutung

Die Trockenmauer und der Steinhaufen überlässt man sich selbst, denn schon kleine Veränderungen und Störungen können diesen sich selbst weiterentwickelnden Lebensraum schnell wieder zerstören. Mit dem Alter werden Trockensteinmauern und Steinhaufen immer reicher, vielfältiger und schöner. Trockensteinmauern und Steinhaufen brauchen wenig Pflege. Der Bewuchs mit Moosen, Kräutern und Farnen ist kein Grund für eine Sanierung!

Nachfolgende Pflanzenarten finden wir nun an:

  • Efeu (Hedera helix)
  • Fetthennen, auch Mauerpfeffer genannt (Sedum)
  • Kriechende Günsel (Ajuga reptans)
  • Lein (Linum),
  • Mauer-Zimbelkraut, (Cymbalaria muralis)
  • Diverse Farne (Quell-Streifenfarn !!!Asplenium fontanum), Moose und Flechten.

Kriechender Günsel (© J.Roth)

und einiges mehr…

Diese Insekten- und Tierarten kann man manchmal beobachten:

  • Diverse Tagfalter z.B. Distelfalter (Cynthia cardui), Aurorafalter (Anthocharis cardamines), Idas-Bläuling (Plebejus idas) usw.
  • Honigbienen (Apis)
  • Wildbienen !!! (Gehörnte Mauerbiene und Graue Sandbiene)   
  • Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)
  • Wespen z.B. Echten Wespe (Vespina), Feldwespe (Polistinae), Schlupfwespe (Ichneumonidae)
  • Ameisen
  • Schnecken
  • Diverse Käferarten
  • Mauereidechse !!! (Podarcis muralis)
  • Igel !!! (Erinaceidae)

Und einiges mehr…

!!! Geschützte Pflanzen und Tiere,  laut der Verordnung des Kantons Baselland, über den Schutz der einheimischen Pflanzen- und Tierarten (Artenschutzverordnung).

Sandbiene im Sternenfeldbiotop (© Thomas Blum)

Was ist die Natur wert?

Es gab schon einige Versuche, den Wert der Natur in Geldwert zu berechnen (z.B. Erholungsfunktionen eines Magerrasens oder blühender Kirschbäume). Es ist fragwürdig, ob man mit solchen Ansätzen, die Natur bewerten soll. Man kann aber interessante Vergleiche ziehen, indem die Kosten für die Neuanlage wertvoller Lebensräume veranschlagt werden. Ausgereifte Kleinstrukturen, blumenreiche Magerwiesen, artenreiche Teiche usw. sind aber vielfach gar nicht herstellbar. d.h. zu ersetzen! Insofern stellen Kleinstrukturen (Trockensteinmauer, Stein- und Asthaufen, usw.), blumenreiche Magerwiesen, artenreiche Teiche usw. unendlich wertvolle Lebensräume dar. Ein Grundproblem liegt darin, dass die freie Natur ohne menschliches Dazutun wächst und ein öffentliches Gut ist. Für Ziergrün in Privatgärten gibt man bei uns das Vielfache dessen aus, was die öffentliche Hand für die viel wertvollere freie Natur leistet. Was uns die Natur wert ist, ist letztlich eine Frage unserer Wertvorstellungen. Deswegen ist es wichtig vielen Menschen die Schönheiten der Natur näher zu bringen!

Naturschutz betreiben wir ja nicht bloss für die Natur, sondern auch für uns Menschen!

Natur im Siedlungsraum - Sternenfeldbiotop (© J.Roth)


Zukunft und Schutzbestrebungen

Naturschutzgebiet Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Das Ziel war es ein Erstellen eines Steinhaufens und Trockenmauer, als Biotop (=Lebensraum) für Tiere und Pflanzen. Nun, auf dem besten Wege dahin sind sie  gefährdet und soll nach dem Willen des Kraftwerks Birsfelden wieder verschwinden, weil ein landschaftsarchitektonisch geplanter und strukturierter Park entstehen soll. Wer soll das verstehen? Aus heutiger Sicht ein beschämendes Vorhaben. Gerade in stark bebauten Flächen fehlen diese Mikrobiotope oft. Damit schafft man für viele Arten einen ökologisch wertvollen Lebensraum. Die Erhaltung und Neuschaffung ist deshalb nötiger denn je!

Gerade in einer Zeit, inder Naturgärten mit vielen Kleinstrukturen im Trend liegen, sollten Kantonsunternehmen, welche “nur” Dank der Natur – Ökostromgewinne erziehlen- , diese schützen!

In neuerer Zeit verkauft die Kraftwerks AG ihren Ökostrom als «Regiostrom» mit einem Aufpreis von 2 Rappen/kWh an den Energieversorger EBM (Baz. vom 28.4.2010). Es ist daher mehr als angebracht, einen Teil des Gewinns an die Natur zurückzugeben, sowie bei jedem zertifizierten Unternehmen des «Naturmade»-Lable vorgesehen. Der artenreiche Lebensraum „Biotop am Stausee“ ist zu erhalten und nicht zu beseitigen!

Klein aber oho!

Ein Naturgarten, wie das Sternenfeldbiotop in Birsfelden, mit verschiedenen Kleinstrukturen, ist viel wertvoller anstatt Ziergrün und leistet ein wunderbarer Beitrag für die Artenvielfalt im unmittelbaren Siedlungsraum!

Naturgarten - Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Ökologie der Trockenmauer und Steinhaufen

  • Trockenmauern sind “trocken”, weil sie ohne Zement oder Mörtel entstehen. Die Steine werden lose aufeinander geschichtet, was natürlich besonderes Fachwissen verlangt, damit die Mauer auch wirklich stabil ist.
  • Kleinstrukturen, wie ein Steinhaufen, auch etwas verwilderter sind von einem unschätzbaren Wert für die Natur. Zum einen sind sie Lebensraum für Insekten, Käfer und vielleicht auch Eidechsen. Zum anderen dienen sie aber weitaus mehr Tierarten als Trittstein auf ihren Wanderungen. Sowohl die Frösche, welche vom Überwinterungsort im Wald zum Laichgewässer wandert, als auch das Braunkehlchen, das von Afrika bis Nordeuropa fliegt, sind auf sie angewiesen.
  • Obwohl Trockenmauer und Steinhaufen, also so genannte Kleinstrukturen – wie der Name schon sagt – eine beschränkte Grösse aufweisen, brauchen sie einen minimalen Unterhalt. Büsche müssen zurückgeschnitten und wuchernde Problempflanzen ausgerissen werden.

Kleinstrukturen – grosse Chance für Natur und Landwirtschaft!

Trockensteinmauer im Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

PDF-DokumentKleinstrukturen – grosse Chance für die Natur

PDF-DokumentGemeinde Birsfelden nennt Biotop reizvoll!

Sternenfeldbiotop – Jede Spende hilft!

Jede Spende ermöglicht es dem Komitee: Nein zur Zerstörung des Biotops, noch mehr für die Natur im Siedlungsraum zu tun.

Spendenkonto: Koto-Nr. 40-44-0

IBAN CH45 0076 9016 5100 6463 8

Basellandschaftliche Kantonalbank

4144 Liestal

Zugunsten: «Grüne – Biotop Birsfelden»

Postfach 330

4127 Birsfelden

(Spenden bitte immer mit dem Vermerk «Grüne – Biotop Birsfelden» versehen.)

Vielen Dank!

Sind Sie Medienschaffende/r, dann melden Sie sich bitte bei unserem Medienverantwortlichen!

Komitee NEIN zur Zerstörung des Biotops
Postfach 330
4127 Birsfelden
E-mail: facebook@biotop-birsfelden.ch

Mauereidechse (© Thomas Blum)

Eine Zusammenarbeit von F. Schreier (Homepagesupport), J. Roth (Homepagebetreuung, Text u. Bildmaterial), F. Raschdorf (Mitbegründer; Textmithilfe u. Artenliste der Anfängen), fachlicher Unterstützung von Örni Akeret (Dr. Biologie Uni Basel; Präsident des NVVB), Die Makrobilder stammen von Th. Blum u. Diversen. Vogelbeobachtungen seit den Anfängen von Dr. med. Georges Preiswerk, (Mitglied der Schweizerischen Avifaunistische Kommission (SAK) von 1999 bis 2009. Mitglied der ornithologischen Gesellschaft Basel (OGB), berichtet über das Reservat in den Langen Erlen). Stand Juni 2010.

Wiesenbiotop: Die artenreiche Blumenwiese – Die zukünftige Magerwiese im Sternenfeldbiotop in Birsfelden Teil 2/4

Sternenfeldbiotop Birsfelden - Die Übersicht ©GoogleEarth

Teil 2: Wiesenbiotop: Die artenreiche Blumenwiese – die zukünftige Magerwiese

Blumenwiesen, resp. Magerwiesen sind ungedüngte Wiesen mit einheimischen Wildpflanzen, darin fühlen sich Vögel, Bienen, Libellen, Schmetterlinge, wie der Distelfalter und andere Insekten wohl. An und in den Gräsern und Stängeln leben diverse Insektenlarven. Die kargen Bedingungen sind Voraussetzung für das Gedeihen vieler seltener Pflanzenarten. Damit auch die spätblühenden Pflanzen versamen können, darf der Schnittzeitpunkt nicht zu früh angesetzt werden. Ende Juni oder im Juli ist daher der beste Zeitpunkt. Das Schnittgut muss getrocknet und einige Zeit liegengelassen werden. Danach wird das Heu abgeführt. So werden dem Boden zusätzlich Nährstoffe entzogen. Jegliche Düngung wird vermieden. Eine Magerwiese braucht also einen geringeren Kostenaufwand, als konventionelle Wiesen in Parkanlagen und sterilen Rasenflächen, zwischen Häusern.

Die artenreiche Blumenwiese im Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Die artenreiche Blumenwiese im Sternenfeldbiotop

Sie besteht nun seit rund 27 Jahren und es hat sich darin viel getan. Ein kleiner Blick zurück in die Geschichte, zeigt den Verlauf und die Entwicklung dieses wertvollen Lebensraum für eine Vielzahl einheimischer Tier- und Pflanzenarten auf.

Frühere Bedeutung und Nutzung

Erste Schleuse 1975 (© Fritz Raschdorf)

Auf der Kraftwerkparzelle 1550 ist einiges passiert. Die Geschichte der artenreichen Blumenwiese – die einmal zu einer Magerwiese gedeihen soll -, beginnt mit dem Bau der 2. Schleuse des Kraftwerks Birsfelden (1977). Der bis zum Bau jährlich auf dem Areal 1550 angebaute Mais verschwand. Der beim Bau angefallene Aushub wurde 6 Jahre lang auf dem ehemaligen Maisacker abgelagert. Es entstand für kurze Zeit ein kleines wildes Kinderparadies für die benachbarte Wohnüberbauung Sternenfeld. Nach der Fertigstellung der 2.Schleuse (Einweihung 1979), wurde die Parzelle 1550 wieder zu einem Acker umgepflügt und gleichzeitig im Auftrag des Kraftwerks nach einer Lösung für die weitere Nutzung gesucht. Der Wunsch des Kraftwerkes war, der Gemeinde Birsfelden die Hege und Pflege des Areals zu übertragen. Nach vielen Diskussionen und Abstimmungskämpfen gelang ein Kompromiss , der die heutige Einteilung der Kraftwerkparzelle in Familiengärten, Tennisplätzen und dem «Hecken-, Wiesen- Trocken-, Feucht-Biotop»,  dem sogenannte Sternenfeldbiotop zur Folge hatte. Da solcher Lebens- und Erholungsraum immens wichtig sind für die Wohnbevölkerung, wurden damals ganz bewusst in die Gestaltungspläne dieses Naturgartens einbezogen.

Zur Entstehung der artenreichen Blumenwiese seit 1983

Der Acker wurde umgepflügt und für die Einsaat einer Wiesenblumen-Samenmischung vorbereitet. Der Quartierverein Sternenfeld (Gründung, dank der “Aktion 1550″ für die Natur und den es ohne das damalige Engagement für das Biotop nicht geben würde!) und der Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB), säten gemeinsam den Wiesensamen aus und spannten sich vor die schwere Walze, um den Samen in die Erde zu drücken. Schüler und Erwachsene trugen die grossen Steine von der Ackerfläche. Die Natur konnte einziehen.

Sternenfeldbiotop 1983 (© Fritz Raschdorf)

Im ersten Jahr überzogen das bisherige Ackerland hauptsächlich Ackerkräuter – dies als Folge der vorausgegangenen landwirtschaftlichen Nutzung als Maisacker.

Es stellten sich folgende Ackerkräuter-Arten (sie stammten aus dem Samenreservoir des Ackerbodens) und Pflanzengemeinschaften ein:

Ackerpflanzen

  • Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense)
  • Acker-Senf (Sinapis arvensis)
  • Gemeine Quecke (Agropyron repens)
  • Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris)
  • Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris)
  • Rauh-Fuchsschwanz (Amaranthus retroflexus)
  • Spiesmelde (Atriplex hostea)
  • Stumpfblättigen Ampfer (Rumes obtusifolius)

Eingesäte Pflanzen

  • Inkarnatklee (Trifolium incarnatum)
  • Rauhaarige Wicke (Vicia hirsuta)
  • Rohrglanzgras (Thalapsis arundinacea)
  • Scharfer Hahnenfuss (Ranunculus acris)
  • Weisse Lichtnelke (Silene alba)

Wo aber blieben die eingesäten Wiesenblumen? Es fehlten die eingesäten Arten Margerite, Flockenblume, Wiesenknopf, Wilde Malve, Bocksbart, Wiesenglockenblume, Wilde Möhre, Witwenblume, Skabiose, um nur einige zu nennen. Sie hatten gegen die schnell wachsenden Ackerkräuter keine Chance, wurden unterdrückt.

Keine der oben Aufgezählten Ackerkräuter sind mehr in der heutigen Blumenwiese vorhanden, was sehr erfreulich ist!

Daher konnte sich nach und nach eine immer buntere Blumenvielfalt einstellen!

Heutige Bedeutung

Bläuling in der Blumenwiese (© J.Roth)

Es ist daher auch nicht erstaunlich, dass solche Blumenwiesen ein wahres Paradies für Grillen, Heuschrecken, Käfer und Spinnen sind. Bienen summen, Schmetterlinge wie Aurorafalter, Kleiner Fuchs, Zitronenfalter, und Ochsenaugen besuchen Blütenpflanzen und schaukeln über die Blumenwiese. Einige Libellen, wie die Mosaikjungfern schwirren durch die Luft.

Ein Naturparadies voller Leben und Artenvielfalt, ist nach rund 27 Jahren dank intensiver Pflege durch den Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) entstanden.  Anwohner und Naturfreunde von nah und fern haben Freude daran.

Ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere konnte so entstehen, auf nur wenigen Quadratmetern. Aufwand und bauliche Massnahmen haben sich in Grenzen gehalten bis Heute.

Die Schaffung einer blumenreichen Wiese zeigt deutlich, wie viel Zeit und Lenkung es braucht, bis eine Blumenwiese aus einem reinen Ackerland entsteht. Mitunter braucht es mehrere Jahrzehnte, um die Pflanzengemeinschaften in Richtung einer Magerwiese zu erreichen.

Das Umpflügen einer artenreichen Blumenwiese (zukünftige Magerwiese!) ist daher ein kaum wieder gutzumachender Eingriff in die Vielfalt unserer Fauna und Flora!

Distelfalter in der artenreichen Blumenwiese (© Thomas Blum)

Charakteristische Pflanzen und Zoologische Bedeutung

Zurück zum heutigen Bestand an Wiesenpflanzen. Mit dem jährlichen Schneiden  der Blumenwiese (ca. 1-2mal/Jahr, Ende Juni oder im Juli ist der beste Zeitpunkt!) und Entfernen des anfallenden Heus, zeigt die Blumenwiese nun ein vielseitigeres Erscheinungsbild. Die Ackerkräuter sind verschwunden, Wiesenblumen haben sich etabliert und werden im Sommer die Farben bestimmen.

Nachfolgende Blütenpflanzen und Ackerbegleitpflanzen finden wir nun an:

  • Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense)
  • Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)
  • Acker-Vergissmeinnicht (Myosotis arvensis)
  • Aufgeblasenes-Leimkraut (Silene vulgaris)
  • Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta)
  • Doldiger Milchstern (Ornithogalum umbellatum)
  • Echter-Beinwell (Symphtum officinale)
  • Echtes Labkraut (Galium verum)
  • Echte Nelkenwurz (Geum urbanum)
  • Esparsette (Onobrychis viciifolia)
  • Feld-Ehrenpreis (Veronica arvensis)                                                 
  • Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)
  • Gänseblümchen (Bellis perennis)
  • Gemeiner Bärenklau (Heracleum sphondylium)
  • Gemeiner-Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale)
  • Gundermann (Glechoma hederacea)
  • Hain-Ampfer (Rumex sanguineus)
  • Hopfenklee (Medicago lupulina)
  • Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor)
  • Kriechende Günsel (Ajuga reptans)
  • Luzerne (Medicago sativa)
  • Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)
  • Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum)
  • Rainfarn (Tanacetum vulgare)
  • Rotklee (Trifolium pratense)
  • Scharfer Hahnenfuss * (Ranunculus acris)
  • Schafgarbe (Achillea)
  • Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)
  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
  • Süss-Tragant (Astragalus glycyphyllos)
  • Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius)
  • Stengellose Schlüsselblume (Primula vulgaris)
  • Vogel-Wicke (Vicia cracca)
  • Weicher Storchschnabel (Geranium molle)
  • Weisses Labkraut (Galium album)
  • Weisse Lichtnelke * (Silene pratensis)
  • Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)
  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)
  • Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris)
  • Wiesen-Pippau (Crepis biennis)
  • Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
  • Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
  • Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense)
  • Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus)

Auch Diverse typische Trockenrasen-Flechten sind anzutreffen.

* Diese Arten gehen auf Einsaaten durch den Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zurück.

Blütenvielfalt in der artenreichen Blumenwiese (© J.Roth)

Ackerbegleitpflanzen (Gras- und Krautartige, sowie Zwergsträucher…)

  • Ackerminze (Mentha arvensis)
  • Bärenschote (Astragalus glycyphyllos)
  • Dünnährige Segge (Carex strigosa)
  • Dreizahn (Danthonia decumbens)
  • Echte Hopfen (Humulus lupulus)
  • Efeu (Hedera helix)
  • Fetthennen (Sedum)
  • Französisches Raigras (Arrhenatherum elatius)
  • Frühlings-Segge (Carex caryophyllea)
  • Gekielter Ackersalat (Valerianella carinata)
  • Gewöhnliche Knäuelgras (Dactylis glomerata)
  • Hunds-Quecke (Elymus caninus)
  • Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)
  • Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga)
  • Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria)
  • Pyramiden-Kammschmiele (Koeleria pyramidata)
  • Rauhaarige Wicke * (Vicia hirsuta)
  • Rohrglanzgras * (Thalapsis arundinacea)
  • Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea)
  • Rossminze (Mentha longifolia)
  • Scharfe Berufkraut (Erigeron acris)
  • Schmalblättrige Wicke (Vicia sativa subsp. Nigra)
  • Schmalblättriger Lein (Linum tenuifolium)
  • Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum)
  • Wechselblättrige Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium)
  • Zittergras (Briza media)

Und vieles mehr…

* Diese Arten gehen auf Einsaaten durch den Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zurück.

Damit zukünftig eine Magerwiesen entstehen kann, braucht es viel Zeit, Geduld und Leute die was davon verstehen!

Artenreiche Blumenwiese - Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Tiere der artenreichen Blumenwiese

Tagfalter  (Familiengruppen der Schmetterlinge)

Basierend auf verschiedenen Quellen-Angaben, konnten über 30 Arten in den letzten Jahren mindestens zwei Mal festgestellt werden (h=häufig; v=vereinzelt; s=selten):

  • Admiral Vanessa atalanta (s)          
  • Ampferfeuerfalter Lycaena phlaeas (s)
  • Aurorafalter Anthocharis cardamines (v-h)
  • Birkenzipfelfalter / Nierenfleck Thecla betulae (s)
  • Braunkolbiger Braundickkopffalter Thymelicus sylvestris (s-v)
  • Brauner Waldvogel Aphantopus hyperantus (h)
  • C-Falter Polygonia c-album (s)
  • Distelfalter Cynthia cardui (v)
  • Dunkelbrauner Bläuling Aricia agestis (h)
  • Faulbaum-Bläuling Celastrina argiolus (s)
  • Gemeine Becherjungfer Enallagma cyathigerum (s-v)
  • Gemeine Smaragdlibelle Cordulia aenea (s)
  • Grosse Kohlweissling Pieris brassicae (v)
  • Grosses Ochsenauge Maniola jurtina (v-h)
  • Hauhechel-Bläuling Polyommatus icarus (h)
  • Himmelblauer Bläuling Lysandra bellargus (h)
  • Hufeisenkleeheufalter Colias alfacariensis (h)
  • Idas-Bläuling Plebejus idas (h)
  • Kaisermantel Argynnis paphia (s)
  • Kleiner Fuchs Aglais urtica (s)
  • Kleines Ochsenauge Hyponephele lycaon (v-h)
  • Kleines Wiesenvögelchen Coenonympha pamphilus (v-h)
  • Mauerfuchs Lasiommata megera (s)
  • Schachbrett Melanargia galathea (s)
  • Schwalbenschwanz Papilio machaon (v)
  • Senfweissling Papilio machaon (v)
  • Silbergrüner Bläuling Polyommatus coridon (h)
  • Rote Scheckenfalter Melitaea didyma (s-v)
  • Violetter Waldbläuling Cyaniris semiargus (s-v)
  • Waldbrettspiel Pararge aegeria (s)
  • Wachtelweizen-Scheckenfalter Melitaea athalia (s-v)
  • Tagpfauenauge Inachis io (v)
  • Zwerg-Bläuling Cupido minimus (h)
  • Zitronenfalter Gonepteryx rhamni (v)

Tagpfauenaug auf Wiesen-Schaumkraut (© Thomas Blum)

Diverse Nachfalter und Kleinschmetterlinge leben natürlich auch im Sternenfeldbiotop, doch dazu wurden keine Aufzeichnungen gemacht.

Neben den zahlreichen Schmetterlingen (Tagfalter), trifft man auch einige Libellenarten,  Bienen, Wildbienen, Hummeln, Wespen, Ameisen, Diverse Käfer, Wanzen, Schnecken, Diverse Heuschreckenarten, Zikaden und vieles Anderes, in der artenreichen Blumenwiese an.

Je bunter diese Blumenwiese, umso mehr Insekten finden sich ein, umso grösser die Chance etwas für die Biodiversität – die Artenvielfalt – im unmittelbaren Siedlungsraum zu tun.

Wildbiene am Grashalm (© Thomas Blum)

Beobachtungstipps:

  • Der Schwalbenschwanz legt seine Eier gerne an der Wilden Möhre ab.
  • Am Stängel der Acker-Witwenblume befindet sich das Larvenstadium der Wiesen-Schaumzikade («Gugger-Speuz»).

Zukunft und Schutzbestrebungen

Naturschutzgebiet Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Das Ziel war es, eine artenreiche Blumenwiese entstehen zu lassen, die sich über die Jahre langsam von einem ehemaligen Maisacker, über eine artenreiche Fettwiese (heutiger Stand!) zu einer Magerwiese entwickeln kann. Nun, auf dem besten Wege dahin ist sie gefährdet und soll nach dem Willen des Kraftwerks Birsfelden wieder verschwinden, weil anscheinend ein landschaftsarchitektonischer Park dort entstehen soll. Wer soll das verstehen? Aus heutiger Sicht ein beschämendes Vorhaben. Dabei sind Magerwiesen heute eine Rarität und müssen gefördert werden! Rund 90% der einstigen Magerwiesen wurden in den letzten 50 Jahren durch landwirtschaftliche Umnutzung in Fettwiesen umgewandelt oder sind durch Überbauung total verschwunden. Die Erhaltung und Neuschaffung ist deshalb nötiger und wichtiger denn je!

Gerade in einer Zeit, inder artenreiche Blumen- und Magerwiesen im Trend liegen, sollten Kantonsunternehmen, welche “nur” Dank der Natur – Ökostromgewinne erziehlen- , diese schützen!

In neuerer Zeit verkauft die Kraftwerks AG ihren Ökostrom als «Regiostrom» mit einem Aufpreis von 2 Rappen/kWh an den Energieversorger EBM (BAZ. vom 28.4.2010). Es ist daher mehr als angebracht, einen Teil des Gewinns an die Natur zurückzugeben, sowie bei jedem zertifizierten Unternehmen des «Naturmade»-Lable vorgesehen. Der artenreiche Lebensraum „Biotop am Stausee“ ist zu erhalten und nicht zu beseitigen!

Eine Magerwiese fördert also die Artenvielfalt (=Biodiversität!) im Siedlungsraum.

Die Blumewiese, ein rar gewordener Lebensraum –

deshalb Blumenwiesen anstatt Einheitsrasengrün!

Naturvielfalt Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

Vom Maisacker zur artenreichen Blumenwiese

Im Verlauf von rund 30 Jahren ist hier aus einem ehemaligen Maisacker eine bunte und artenreiche Blumenwiese entstanden. Für viele Insekten und andere Tierarten ist damit ein neuer Lebensraum entstanden. Die anfangs fette, grasreiche Wiese ist durch das jährliche Wegführen des Schnittmaterials stetig magerer geworden. Dadurch haben sich immer mehr Wiesenblumen angesiedelt.

Übrigens jeder kann so, eine eintönige gedüngte Rasenflächen oder Teile davon, so mit geringem Aufwand aber etwas Geduld zu einer zukünftigen artenreichen Magerwiesen umwandeln. Nach einigen Jahren entsteht eine Blumenwiese von hohem Wert, für die Natur und für’s Auge!

Auch Menschen, die den besonderen biologischen Wert dieser artenreichen Blumenwiese – die zukünftige Magerwiese – nicht kennen, nehmen ihren landschaftlichen Reiz wahr! Ihr Strukturreichtum hat einen ganz anderen Erholungswert als säuberlich gepflegtes Kulturland.

Naturschutz betreiben wir ja nicht bloss für die Natur, sondern auch für uns Menschen!

Natur im Siedlungsraum - Sternenfeldbiotop (© J.Roth)

PDF-DokumentArtenliste der Tagfalter im Sternenfeldbiotop

PDF-DokumentArtenliste der Libellen im Sternenfeldbiotop


PDF-Dokument Gemeinde Birsfelden nennt Biotop reizvoll!

PDF-DokumentVernetzungsprojekte – im Interesse von Natur

PDF-DokumentAusgleichsflächen -Vorteile für die Natur

Politik ist entscheidender Faktor für die Biodiversität

Zusammenfassung EU-Projekt ALARM

Sternenfeldbiotop – Jede Spende hilft!

Jede Spende ermöglicht es dem Komitee: Nein zur Zerstörung des Biotops, noch mehr für die Natur im Siedlungsraum zu tun.

Spendenkonto: Koto-Nr. 40-44-0

IBAN CH45 0076 9016 5100 6463 8

Basellandschaftliche Kantonalbank

4144 Liestal

Zugunsten: «Grüne – Biotop Birsfelden»

Postfach 330

4127 Birsfelden

(Spenden bitte immer mit dem Vermerk «Grüne – Biotop Birsfelden» versehen.)

Vielen Dank!

Sind Sie Medienschaffende/r, dann melden Sie sich bitte bei unserem Medienverantwortlichen!

Komitee NEIN zur Zerstörung des Biotops
Postfach 330
4127 Birsfelden
E-mail: facebook@biotop-birsfelden.ch

Falkenlibelle (© Thomas Blum)

Eine Zusammenarbeit von F. Schreier (Homepagesupport), J. Roth (Homepagebetreuung, Text u. Bildmaterial), F. Raschdorf (Mitbegründer; Textmithilfe u. Artenliste der Anfängen), fachlicher Unterstützung von Örni Akeret (Dr. Biologie Uni Basel; Präsident des NVVB), Die Makrobilder stammen von Th. Blum u. Diversen. Vogelbeobachtungen seit den Anfängen von Dr. med. Georges Preiswerk, (Mitglied der Schweizerischen Avifaunistischen Kommission (SAK) von 1999 bis 2009. Mitglied der ornithologischen Gesellschaft Basel (OGB), berichtet über das Reservat in den Langen Erlen). Stand Juni 2010.



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