Auch während der Sommermonate ist das Sternenfeldbiotop in Birsfelden ein gut besuchter Naturgarten!
Die grüne Oase von Birsfelden
Ökosysteme in Bedrängnis – «Was die Lebensräume für uns leisten»
Petitionsbogen – «Schützen wir die Biodiversität jetzt!»
Teil 4: Heckenbiotop: Sträucher und Bäume
Hecken, Einzelsträucher und Bäume sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. Sie verbinden Lebensräume miteinander und sind ein wichtiger Bestandteil des Biotopverbundes. In Hecken herrschen auf kleinstem Raum ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Hecken ermöglichen es den Tieren, geschützt von einem Lebensraum zum anderen zu wandern. Verschiedene Tierarten finden in strukturreichen Hecken Schutz, Nahrung, geeignete Brutstätten und Überwinterungsquartiere. Die Strauchzusammensetzung (einheimische Arten!) sowie ein vorgelagerter Krautsaum entscheiden über den Tierreichtum in der Hecke. Obwohl Hecken durch menschliche Tätigkeit entstanden, sind sie ein Stück Natur! Denn es sind gerade die natürlichen Einflüsse, die jeder Hecke ihren eigentümlichen Charakter verleihen. Auch Menschen erfreuen einheimische Büsche mit ihrer Blütenpracht im Frühling und im Herbst. Hecken sind vor allem dann wertvoll, wenn sie eine Vielfalt an einheimischen Sträuchern aufweisen und wenn Ast- und Laubhaufen darin angelegt werden. Sie sollen selektiv und abschnittsweise gepflegt werden. Ein jährlicher Radikalschnitt in einen Viereck- oder Rundform ist der Tod einer Naturhecke!
Die Hecken mit Sträuchern und Bäume im Sternenfeldbiotop Birsfelden, bestehen teilweise seit rund 27 Jahren und es hat sich darin und drum herum viel getan. Ein kleiner Blick zurück in die Geschichte, zeigt den Verlauf dieses wertvollen Lebensraums für eine Vielzahl einheimischer Tier- und Pflanzenarten:
Auf der Kraftwerkparzelle 1550 ist einiges passiert. Die Geschichte der Hecken mit Sträuchern und Bäumen beginnt mit dem Bau der 2. Schleuse des Kraftwerks Birsfelden (1977). Der bis zum Bau jährlich auf dem Areal 1550 angebaute Mais verschwand. Der beim Bau angefallene Aushub wurde 6 Jahre lang auf dem ehemaligen Maisacker abgelagert. Es entstand für kurze Zeit ein kleines wildes Kinderparadies für die benachbarte Wohnüberbauung Sternenfeld. Nach der Fertigstellung der 2.Schleuse (Einweihung 1979), wurde die Parzelle 1550 wieder zu einem Acker umgepflügt und gleichzeitig im Auftrag des Kraftwerks nach einer Lösung für die weitere Nutzung gesucht. Der Wunsch des Kraftwerkes war, der Gemeinde Birsfelden die Hege und Pflege des Areals zu übertragen. Nach vielen Diskussionen und Abstimmungskämpfen gelang ein Kompromiss , der die heutige Einteilung der Kraftwerkparzelle in Familiengärten, Tennisplätzen und dem «Hecken-, Wiesen- Trocken-, Feucht-Biotop», dem sogenannte Sternenfeldbiotop zur Folge hatte. Da solcher Lebens- und Erholungsraum immens wichtig sind für die Wohnbevölkerung, wurden damals ganz bewusst in die Gestaltungspläne dieses Naturgartens einbezogen.
Nachdem der Teich mit den Umgebungsarbeiten erledigt war, hat man angefangen verschiedene einheimische Sträucher, Bäume zu pflanzen. Dazu brauchte es wieder die fleissigen Hände vieler Freiwilligen und die Zusammenarbeit mit dem Quartierverein Birsfelden (Gründung, dank der “Aktion 1550″ für die Natur und den es ohne das damalige Engagement für das Biotop nicht geben würde!) und dem Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB). Das Hauptaugenmerk auf einheimische Wildsträucher und Bäume ist entscheidend über den Tierreichtum, denn man für die Zukunft der Hecke erwarten möchte. Da nur einheimische Wildsträucher den Tieren ausreichend Nahrung bieten, hat man auf exotische Sträucher verzichtet!
Diese Heckensträucher wurden 1983 angepflanzt:
Eine Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Distelfink, ja sogar ein Zaunkönig schmettern ihre Liedchen aus dem Gebüsch. Ein Ringeltaubenpärchen gurrt auf einem Baum. Ein Igel sucht sich Unterschlupf. Eine Maus huscht vorbei. Es raschelt und knackt. Viele Sträucher stehen in voller Blütenpracht. An den Früchten der einheimischen Vogelbeere tun sich über verschiedene Vogelarten gütlich. Ebenso verhält es sich bei den Insekten. Am einheimischen Schwarzdorn leben bis zu 200 Insektenarten. So Extensiv genutzte Heckensäume sind echte Paradiese für eine Vielzahl von Wildkräutern. Hier finden zudem Bodenbrüter ungestörte Nistplätze. Käfer benutzen sie zum Überwintern. Bienen und Schmetterlinge profitieren vom reichen Blütenangebot, und Heuschrecken können sich darin auch dann noch ernähren, wenn die angrenzende artenreiche Blumenwiese (siehe Teil 2!) abgemäht ist.
Die Pflege der Hecke ist nicht nur notwendig, sie ist auch eine besondere Chance, der Artenvielfalt neue Impulse zu geben. Die fachgerechte Pflege einer Hecke trägt den unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten der Sträucher Rechnung, versucht den Strukturreichtum zu steigern und verbessert dadurch die Lebensbedingungen der typischen Heckenbewohner. Die Sträucher und Bäume sind daher vom Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) immer mal wieder zurückgeschnitten worden, oft auch mit der Mithilfe von Schulklassen der Gemeinde Birsfelden. Denen so die Naturvielfalt im unmittelbaren Siedlungsraum näher gebracht werden konnten. (Näheres hier: Birsfelder Schulklasse pflegte das Biotop!)
Diverse Wildrosenarten, als Abgrenzung zu den Familiengärten.
* Diese Arten gehen auf die Einpflanzungen durch den Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zurück.
!!! Geschützte Pflanzen, laut der Verordnung des Kantons Baselland, über den Schutz der einheimischen Pflanzen- und Tierarten (Artenschutzverordnung).
und einiges mehr…
Je älter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt!
Beobachtungstipps:
- Den Vögeln im Herbst beim Beeren fressen zuschauen: Am schnellsten weg sind oft die Beeren des Schwarzen Holunders.
- In welchem Strauch machen die Vögel am liebsten ein Nest? – Oft ist es ein Dornenstrauch.
- Am meisten Natur beherbergen die Dornensträucher (Schwarz- und Weissdorn, Heckenrose, Kreuzdorn).
Das Ziel war es, eine artenreiche Hecke mit einheimischen Sträuchern und Bäumen entstehen zu lassen. Je älter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt. Auch im Siedlungsraum sind Hecken von Bedeutung, da sie als Rückzugsmöglichkeit für Nützlinge dienen. Nun, auf dem besten Wege dahin sind sie gefährdet und soll nach dem Willen des Kraftwerks Birsfelden wieder verschwinden, weil angeblich ein landschaftsarchitektonischer Park entstehen soll. Wer soll das verstehen? Aus heutiger Sicht ein beschämendes Vorhaben. Dabei sind Hecken wichtige Zufluchtsorte für Vögel, die aus dem benachbarten und dichtbesiedelten Gebiet immer mehr verdrängt werden. Die Erhaltung und Neuschaffung ist deshalb nötiger denn je!
Gerade in einer Zeit, inder Naturgärten mit einheimischen Bäumen und Sträuchern, usw. im Trend liegen, sollten Kantonsunternehmen, welche “nur” Dank der Natur – Ökostromgewinne erziehlen- , diese schützen!
In neuerer Zeit verkauft die Kraftwerks AG ihren Ökostrom als «Regiostrom» mit einem Aufpreis von 2 Rappen/kWh an den Energieversorger EBM (Baz. vom 28.4.2010). Es ist daher mehr als angebracht, einen Teil des Gewinns an die Natur zurückzugeben, sowie bei jedem zertifizierten Unternehmen des «Naturmade»-Lable vorgesehen. Der artenreiche Lebensraum „Biotop am Stausee“ ist zu erhalten und nicht zu beseitigen!
Ökologische Funktionen und Pflege
- Hecken sind Brutraum für Vögel. Im Sternenfeldbiotop brüteten folgende Vogelarten: Haussperling, Heckenbraunelle, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke, Amsel u.a.
- Hecken sind Rastplatz für durchziehende Vögel. So konnten im Sternenfeldbiotop zu gewissen Zeiten Distelfink, Mönchsgrasmücke, Fitis und Zilpzalp beobachtet werden.
- Hecken sind nicht nur für Vögel ein wichtiger Brutplatz, auch Frösche, Molche nutzen die feuchten Stellen unter den Sträuchern.
- Hecken bieten Schutz vor Feinden.
- Hecken sind Nahrungsraum. Sie bieten Nüsse und Beeren für Säugetiere und Vögel, oder Holz und Blätter für Insekten.
- Um ein möglichst reichhaltiges Nahrungsangebot zu gewährleisten, sollten die Hecken ausschliesslich einheimische, standortgerechte Wildsträucher verwendet werden.
- So sind z.B. Kreuzdorn und Faulbaum Futterpflanzen für die Raupen des Zitronenfalters. Im Winter sind als Nahrungsgäste oft Distelfinken zu beobachten.
- Ein Auslichtungs- oder Rückschnitt alle 1-3 Jahre kann nötig sein, um die Hecke nicht zu hoch werden zu lassen. Wichtig ist, dass die Wildsträucher nicht alle auf der gleichen Höhe abgeschnitten werden, sondern dass schnell wachsende Sträucher stärker und langsam wachsende weniger stark zurückgeschnitten werden! Zudem soll die Hecke im Herbst oder im frühen Frühling – vor der aktiven Zeit der Vögel und Amphibien – und in Etappen zurückgeschnitten werden.
Zusatzinfo:
Brennesseln – Lebensgrundlage von Schmetterlingen
Der vielfältige Krautsaum zu den Hecken im Sternenfeldbiotop, bildet einen ungestörten Rückzugsort zwischen Gehölzen und artenreichen Blumenwiese. An machen Stellen ist die Brennessel reich vertreten. Sie schützt mit ihren
schmerzhaften Brennhaaren nicht nur sich selber, sondern auch Lebewesen, die darin zu leben wissen. Zum Beispiel legen vier Schmetterlingsarten ihre Eier auf der Brennessel ab: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral und Landkärtchen. Sie sind zur Vermehrung auf Standorte wie diesen angewiesen! Deshalb sollte bei der Pflege darauf geachten werden mit dem Schnitt abzuwarten bis sich die Schmetterlingsraupen entwickelt haben und als farbenprächtige Schmetterlinge ausgeflogen sind!
Hecken sind ökologische und ökonomisch interessant
Gemeinde Birsfelden nennt Biotop reizvoll!
Jede Spende ermöglicht es dem Komitee: Nein zur Zerstörung des Biotops, noch mehr für die Natur im Siedlungsraum zu tun.
Spendenkonto: Koto-Nr. 40-44-0
IBAN CH45 0076 9016 5100 6463 8
Basellandschaftliche Kantonalbank
4144 Liestal
Zugunsten: «Grüne – Biotop Birsfelden»
Postfach 330
4127 Birsfelden
(Spenden bitte immer mit dem Vermerk «Grüne – Biotop Birsfelden» versehen.)
Vielen Dank!
Sind Sie Medienschaffende/r, dann melden Sie sich bitte bei unserem Medienverantwortlichen!
Komitee NEIN zur Zerstörung des Biotops Postfach 330 4127 Birsfelden E-mail: facebook@biotop-birsfelden.ch
Eine Zusammenarbeit von F. Schreier (Homepagesupport), J. Roth (Homepagebetreuung, Text u. Bildmaterial), F. Raschdorf (Mitbegründer; Textmithilfe u. Artenliste der Anfängen), fachlicher Unterstützung von Örni Akeret (Dr. Biologie Uni Basel; Präsident des NVVB), Die Makrobilder stammen von Th. Blum u. Diversen. Vogelbeobachtungen seit den Anfängen von Dr. med. Georges Preiswerk, (Mitglied der Schweizerischen Avifaunistische Kommission (SAK) von 1999 bis 2009. Mitglied der ornithologischen Gesellschaft Basel (OGB), berichtet über das Reservat in den Langen Erlen). Stand Juni 2010.
Bedeutend für zahlreiche Durchzügler. (Viele Büsche, Sträucher mit Beeren, Teich mit Schilf, artenreiche Blumenwiese und Kleinstrukturen mit Insekten).
Der absolute Höhepunkt war der viertägige Besuch eines Dunklen Laubsängers im Oktober 1992. Es ist dies die erste und bis jetzt einzige Beobachtung dieser ostasiatischen Art in der Schweiz! Aus der ganzen Schweiz kamen Ornithologen zum kleinen Biotop bei Birsfelden, um diesen seltenen Irrgast zu bewundern!
Am Teich Stockente und Teichhuhn (Brütet seit 5 Jahren hier!). Sonst Mönchsgrasmücke, Zilpzalp etc..
Im Folgenden drei herausragende Brutereignisse des Biotops, die aus dem Brutvogelinventar der beiden Basler Kantone der 1990er Jahre zu entnehmen sind:
- Rohrammer (Emberiza schoeniclus): erste erfolgreiche Brut beider Basel 1994!
- Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus): wahrscheinlicher Brutvogel.
- Klappergrasmücke (Sylvia curruca): wahrscheinlicher Brutvogel.
Im Brutvogelinventar wird der Teichrohrsänger nur 8 Mal als erwähnt, bei der Klappergrasmücke sind es insgesamt sogar nur 3 Nennungen als sicherer Brutvogel! wahrscheinlicher oder sicherer Brutvogel in den Kantonen BS und BL.
Verschiedene Greifvögel, Enten, Möwenarten und Limikolen (Flussuferläufer, Waldwasserläufer, Bekassine, Grosser Brachvogel, Regenbrachvogel, … etc.), Schwalben, Lerchen etc.
27 Jahre Vogelbeobachtungen Sternenfeldbiotop – Eine Aufzählung!
Seltene Vogelarten und ungewöhnliche Vogelbeobachtungen in der Schweiz im Jahre 1992
01. Mai:
15. Mai:
Eine Zusammenstellung von: Dr. med. Georges Preiswerk, Mitglied der Schweizerischen Avifaunistischen Kommission (SAK) von 1999 bis 2009. Mitglied der onithologischen Gesellschaft Basel (OGB), berichtet über das Reservat in den Langen Erlen. (Stand Mai 2010)
Gerade im Frühling ist vieles los im artenreichen Sternenfeldbiotop in Birsfelden, hier ein paar Beispiele: