Monthly Archive for Januar, 2010

Urbane Biodiversität: Artenvielfalt in der Nachbarschaft

Die Gemeinde Birsfelden gehört zu den dicht besiedeltsten Gemeinden des Kantons Baselland und da ist es wichtig, dass die Flächen, die noch unverbaut sind mit Sorgfalt und Weitsicht betrachtet werden. Vor allem die schon bestehenden Biotope in Birsfelden sollten möglichst erhalten bleiben und gefördert werden.

Ein artenreiches und farbenfrohes Beispiel einer noch funktionierenden urbanen Biodiversität in der Nachbarschaft, ist das wertvolle und schützenswerte Biotop bei den Kraftwerkschleusen in Birsfelden. Daher müssen wir – die NaturliebhaberInnen – , die Gemeinde Birsfelden in Zusammenarbeit mit der Kraftwerkleitung dafür sorgen, dass diese Naturoase auch in Zukunft bestehen bleiben darf.

Gewinn für alle

Solche attraktive und naturnahe gestaltete Lebensräume (=Biotope) sind die glaubwürdigste Visitenkarte jedes Unternehmens, jeder Gemeinde und auch jedes Kantons. Der Unterhalt solcher Naturoasen sind zudem kostengünstiger, als bei einer landschaftsarchitektonischen Parkgestaltung.

Naturnah gestaltete Areale bieten also mehr Lebensqualität: Für Tiere, Pflanzen und Menschen. Naturoasen dienen uns zur Erholung, Entspannung und Inspiration.

Im UNO-Jahr der Biodiversität haben wir nun die Möglichkeit dazu, die urbane Vielfalt in der Nachbarschaft zu schützen und näher zu erforschen.

Biodiversität = biologische Vielfalt = gesamte Vielfalt des Lebens!

Alles weiter zum UNO-Biodiversitätsjahr finden sie unter:

http://www.biodiversitaet2010.ch/

http://naturschutz.ch/kategorie/news/biodiversitaet/

Die Biodiversität und warum sie uns kümmern sollte

Den Begriff Biodiversität hören wir sehr oft, doch was bedeutet er eigentlich? Ganz einfach gesagt geht es um die Vielfalt. Doch was sich auf den ersten Blick simpel anhört, ist dann doch etwas komplizierter – wie so fast alles, leider. ;-)

Die Biodiversität gliedert sich in drei Teile. Sie sind alle unverzichtbar für ein funktionierendes Ökosystem. Ein solches ist wieder an jedem Ort der Welt nötig, damit wir Nahrung, Luft und Rohstoffe haben.

Aerial Atoll (via sleepychinchilla @flickr)

Aerial Atoll (via sleepychinchilla @flickr)

  1. Vielfalt der Arten, klassische Artenvielfalt, oft auch exklusiv unter Biodiversität verstanden
  2. genetische Vielfalt, besonders wichtig im Bezug auf Anpassungsfähigkeit der Art
  3. Vielfalt der Ökosysteme und Ökosystemprozesse, auch Prozesse, wie Überflutungen oder Waldbrände sind teil der Biodiversität

Ohne, dass wir es merken, leistet die Natur täglich Dienstleistungen, produziert Güter und Rohstoffe, die wir alleine gar nicht oder nur mit gigantischen Kosten hätten. So leisten Bienen knapp einen Zehntel des Werts der Weltnahrungsproduktion mit der Bestäubung von Blütenpflanzen auf dem ganzen Globus. Daneben putzen diverse Pflanzen und Tiere unsere Gewässer, sorgen für Sauerstoff und entsorgen unseren Abfall.

Neben diesen Dienstleistungen gibt es auch noch die Schutzfunktion: So schützen uns diverse Tiere wiederum vor anderen Schädlingen oder Schutzwälder vor Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen.

Nicht zu vergessen ist auch der ethische Aspekt: Dürfen wir entscheiden, welche Spezies leben dürfen und welche nicht? Können wir es uns also leisten, dass Arten verschwinden, massenhaft Individuen Wilderei, Brandrodungen oder dem Klimawandel zum Opfer fallen? Es ist zwar immer schwierig, den genauen Unterschied zwischen Nutzen und Ausbeuten festzulegen, doch ich denke, dass wir mit dem Massstab der Nachhaltigkeit ein gutes Kriterium haben.

Biodiversity Hall at AMNH (via Dom Dada @flickr)

Biodiversity Hall at AMNH (via Dom Dada @flickr)

Zwar auch wichtig, aber nicht überall anwendbar ist die Erholungs-, Genuss- und Freizeitfunktion, welche viele Grünflächen in der Schweiz haben. Kaum ein Wald ohne Spaziergänger oder Bikerinnen. Auch wenn nun über die Hälfte der Menschen in Städten wohnt, so ist die Möglichkeit, ins Grüne zu gehen für viele Leute ganz wichtig, besonders in den Industrieländern. Wer fährt nicht gerne in den Alpen Ski, spaziert an einem Fluss entlang, macht Ferien am Meer oder wandert im hohen Norden.

Weltweit steht die Biodiversität hauptsächlich an zwei Orten unter extremem Druck: Einerseits in den tropisch freuchten Wäldern und andererseits in den Ozeanen, Meeren und Binnengewässern.

In den tropisch feuchten Wäldern (oder auch Regenwäldern) ist der Druck vor allem durch die Rodungen im Amazonasbecken, in Zentralafrika und in Südostasien gigantisch. Würde die Schweiz gleich schnell kleiner werden, wie alleine in Brasilien der tropische Regenwald abgeholzt wird, so wäre nach dreieinhalb Jahren nichts mehr übrig! Das Tempo ist atemberaubend und im Moment deutet leider wenig auf baldige Besserung hin. Problematisch ist auch, dass die Aufforstung ganz schwierig ist, weil die komplexen Ökosysteme sich oft nur ungenügend wiederherstellen lassen und die Böden degradiert sind.

Die Gewässer andererseits stehen etwas schwerer nachvollziebaren Einflüssen gegenüber. In Landwirtschaftsgebieten ist der Nährstoffeintrag aus Dünger und Gülle das Problem. In den Ozeanen ist vor allem der Plastikmüll ein enormes Problem für die Vögel, welche diesen Abfall fressen und daran sterben. Der Klimawandel wiederum bedroht die Korallenriffe, ein Hotspot der Evolution.

Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir den ungeheuren Vorrat an noch unbekannten Wirkstoffen für Krankheiten, die Formenvielfalt, die zahlreichen Dienste, etc. erhalten. Wir müssen vom Wegwerfen zum Wiederverwenden kommen – eine ganz schwierige Wandlung. Denn nicht nur ist das Wegwerfen viel komfortabler und schneller erledigt, es ist auch eine in den letzten Jahrzehnten gut trainierte Gewohnheit von uns geworden. Tatsächlich können wir noch viel mehr recyclen, als wir es jetzt schon tun, auch wenn die Schweiz ganz gut dasteht.

Wir müssen aber auch unsere Umwelt mehr wieder vor uns selbst schützen, indem wir unseren Freizeitaktivitäten sinnvolle Grenzen setzen.

Bild von sleepychinchilla und Dom Dada auf flickr

«Biotop am Stausee» – Winterliche Impressionen…

Auch in den Wintermonaten wird das «Biotop am Stausee» gerne besucht….

Kraftwerk war mit Biotop einverstanden

Leserbrief von Fritz Raschdorf, Birsfelder Anzeiger (BA),  18. Dezember 09

Ich möchte mich nochmals zu Wort melden. Soweit ich die Diskussion zum Thema «Biotop am Stausee» überblicke, hat es keine «über Jahre erfolgten Angriffe» des jetzigen Referendumskomitees gegen die Kraftwerk Birsfelden AG gegeben.

1983/ Biotop - Anfang (© A. Roth)

Das Komitee ist erstmals 2009 zusammengetreten. Gegen den Ausbau des geplanten Verwaltungsgebäudes wurde nicht opponiert. Dagegen hat die Kraftwerk Birsfelden AG bisher nicht erklärt, warum mit dem Ausbau des Verwaltungsgebäudes das «Biotop am Stausee» verschwinden und durch einen Park ersetzt werden soll. Ich möchte festhalten, dass die Kraftwerkleitung 1980 mit der Bitte an die Gemeinde herangetreten ist, die Hege und Pflege des Areals 1550 zu übernehmen (siehe Protokoll Einwohnerratssitzung vom

22. Oktober 1980, Mitteilung des damaligen Gemeindepräsidenten Gino Cereghetti).

2009/ Viele Biotopbesucher am 3. Weihnachtsfeiertag! (© J.Roth)

Nach der Beratung wurden der Quartierverein Sternenfeld und der Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden beauftragt, eine naturnahe Grünfläche zu planen und einzurichten. Das Birsfelder Biotop (Biotop heisst Lebensraum) wurde 1983 realisiert. Dass die Betreuer des Biotops nach 26 langen Jahren der Wartung ihr Lebenswerk schützen wollen, sollte einleuchten. Ein Biotop dieser Art ist für den Einzelnen nur einmal im Leben zu schaffen. (Motto: Pflanze zu Lebzeiten einen Baum.) Das Biotop sollte ein Geschenk für alle Birsfelder und ein wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna bleiben. Die Kraftwerkleitung bleibt gefordert. Sie darf nicht vergessen, dass sie mit dem Bau des Kraftwerks aus der Natur (Wasserkraft) einen grossen Gewinn erzielt. Die Leitung steht in einer Bringschuld und wäre gut beraten, das Biotop zu erhalten. Für die Kraftwerksbetreiber entstünden keine Nachteile.

Biotop Juni 1983

Fritz Raschdorf, Mitbegründer des «Biotop am Stausee»

Reaktion auf den Leserbrief «Fast alle haben dank dem Ja gewonnen» von Karl Weisskopf im BA Nr. 49, Freitag, 04. Dezember 09



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