Archive for the 'Interview' Category

Interview mit Jürg Wiedemann

Interview mit Jürg Wiedemann, dem Birsfelder Landrat der Grünen

Florian: Wieso müssen alle Birsfelderinnen und Birsfelder nochmals über diese Sache abstimmen? Haben wir das nicht schon an der Gemeindeversammlung vom 22. Juni 09 entschieden?
Jürg Wiedemann: Die Entscheide der Gemeindeversammlung sind nicht endgültig, sondern können mittels Referendum angefochten werden. Unsere direkte Demokratie lässt diese Möglichkeit explizit zu. Die Grüne Partei, die SP und der Natur- und Vorgelschutzverein Birsfelden haben knapp 600 Unterschriften eingereicht und damit der Birsfelder Bevölkerung ermöglicht, an der Urne zu entscheiden, ob das naturnahe Biotop beim Kraftwerk erhalten werden soll.

Birsfelder Biotop im Sommer

Birsfelder Biotop im Sommer (© J. Roth)

Florian: Vom Referendumskomitee wird behauptet, dass die Abstimmung das Biotop, die Familiengärten und den Tennisplatz gefährdet. Was wird denn genau bei einem JA am 29. November 09 geschehen?
Wiedemann: Vorerst werden lediglich das bestehende Verwaltungsgebäude saniert, acht oberirdische Betongaragen erstellt und das Biotop mit zahlreichen seltenen Vogel- und Amphibienarten zerstört. Die Kraftwerk Birsfelden AG will bis heute keine Zusage erteilen, dass die Familiengärten und Tennisplätze zu einem späteren Zeitpunkt nicht ebenfalls aufgehoben werden. Ein Grossteil dieser Parzelle wird von der Birsfelder Bevölkerung als Naherholungsgebiet genutzt. Ich möchte, dass dies auch längerfristig so bleibt.

Florian: Was passiert hingegen bei einem NEIN zur Zerstörung des Biotops?
Wiedemann: Die Kraftwerk Birsfelden AG kann das geplante Bau- und Sanierungsvorhaben mit der Zerstörung des Biotops nicht realisieren. Sie wäre aufgefordert, einen neuen Vorschlag einzureichen, der ausschliesslich die Sanierung des Verwaltungsgebäudes beinhaltet. Einen solchen Antrag würde ich begrüssen und ihm zustimmen.

Florian: Können wir der Kraftwerk Birsfelden AG (KWB) nicht einfach vertrauen, dass sie das Biotop belassen sowie die Verträge mit den Familiengärten und dem Tennisverein erneuern?
Wiedemann: Nein, es ist erklärtes Ziel der Kraftwerk Birsfelden AG das Biotop zu zerstören und durch eine sterile Rasenfläche mit einzelnen Bäumen zu ersetzen. Blindes Vertrauen ist in dieser Frage nicht angebracht.

Florian: In Leserbriefen wird behauptet, wir könnten der KWB hier nicht dreinreden, denn es sei ja ihr Land und sie könnten darüber verfügen.
Wiedemann: Mehrheitsaktionäre der Kraftwerk Birsfelden AG sind die beiden Basel. Somit gehört diese Parzelle der öffentlichen Hand. Zudem sind die Bedürfnisse der ansässigen Bevölkerung stärker zu gewichten als die wirtschaftlichen Interessen der Kraftwerk Birsfelden AG.

121 Vogel- und 23 Libellenarten!

Interview mit Alfred Niffeler, dem Vogelschutzobmann beim Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden

Florian: Wie lange gibt es das Biotop bei der Schleuse schon und wer hat es geschaffen?
Alfred Niffeler: Das Biotop an der Schleuse besteht seit 1983. Es wurde damals vom Quartierverein Sternenfeld und dem Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) geschaffen und wird vom NVVB bis heute unterhalten.

Das Biotop aus der Luft

Das Biotop aus der Luft (© J. Roth)

Florian: Wie und wie oft pflegt der Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden das Biotop? Wieso ist das überhaupt nötig? Regelt da die Natur nicht alles von selbst?
Niffeler: Für die Pflege werden jählich gegen 200 Fronstunden durch engagierte Vereinsmitglieder aufgewendet. Damit die Hecken, welche den Vögeln und Insekten als Schutz- und Futterplätze dienen, genügend Raum bleibt, müssen die Bäume und Sträucher von Zeit zu Zeit zurückgeschnitten werden. Zweimal jährlich mäht ein Biobauer das Gras im Biotop. Nur so kann eine Verbuschung verhindert werden. Um eine Verlandung des Weihers zu verhindern, wird der Weiher im Herbst von wucherenden Wasserpflanzen befreit. Regelmässig wird das Biotop von leeren Flaschen und anderen Abfällen, welche junge Leute nach ihren Saufgelagen hinterlassen, gesäubert. Ja, wir arbeiten sogar mit der Birsfelder Primarschule zusammen, damit die Kinder den Umgang mit der Natur lernen.

Florian: Welche Vögel, Insekten, Amphibien und Pflanzen leben im Biotop? Gibt es auch geschützte Arten?
Niffeler: In den Hecken brüten einheimische Vogelarten wie Amsel, Mönchs- und Klappergrasmücke, Grünfink, Rotkehlchen, Teichrohrsänger, Ringeltaube, Blau- und Kohlmeise. Im Weiher tummeln sich viele Bergmolche, Wasser- und Grasfrösche. Vor allem für den Vogelzug stellt das Biotop ein wichtiger Verweilplatz dar, wo die Vögel vor ihrem Weiterflug in den Süden eine Rast einlegen und die Fettreserven auftanken. Bis dato sind 121 Vogel- und 23 Libellenarten bestimmt worden. Mit einem Dunkellaubsänger (Phylloscopus fuscatus) wurde sogar eine schweizweite Erstbeobachtung festgestellt.

Florian: Wieso brauchen diese Arten Schutz?
Niffeler: All diese Tiere können nur überleben, wenn solch wichtige Lebensräume erhalten bleiben.

Florian: Was genau ist der Unterschied zwischen dem geplanten “Volkspark” und dem jetzigen Biotop?
Niffeler: Der geplante “Volkspark” könnte nie das jetzige Biotop ersetzen, da bei einem Kurzrasen oder Spielplatz die Artenvielfalt nicht gewährleistet wäre. Die vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten beweisen, dass das Biotop an der Schleuse sich in einem Topzustand befindet.



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