Heckenbiotop: Sträucher und Bäume Teil 4/4

Übersichtsplan der Lebensraumtypen (© BMeissen Office for Design,Basel)

Teil 4

Heckenbiotop: Sträucher und Bäume

Hecken, Einzelsträucher und Bäume sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt.Sie verbinden Lebensräume miteinander und sind ein wichtiger Bestandteil des Biotopverbundes. In Hecken herrschen auf kleinstem Raum ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Hecken ermöglichen es den Tieren, geschützt von einem Lebensraum zum anderen zu wandern. Verschiedene Tierarten finden in strukturreichen Hecken Schutz, Nahrung, geeignete Brutstätten und Überwinterungsquartiere. Die  Strauchzusammensetzung (einheimische Arten!) sowie ein vorgelagerter Krautsaum entscheiden über den Tierreichtum in der Hecke. Obwohl Hecken durch menschliche Tätigkeit entstanden, sind sie ein Stück Natur! Denn es sind gerade die natürlichen Einflüsse, die jeder Hecke ihren eigentümlichen Charakter verleihen. Auch Menschen erfreuen einheimische Büsche mit ihrer Blütenpracht im Frühling und im Herbst. Hecken sind vor allem dann wertvoll, wenn sie eine Vielfalt an einheimischen Sträuchern aufweisen und wenn Ast- und Laubhaufen darin angelegt werden. Sie sollen selektiv und abschnittsweise gepflegt werden. Ein jährlicher Radikalschnitt in einen Viereck- oder Rundform ist der Tod einer Naturhecke!

Naturoase Birsfelden (© J.Roth)

Die Hecken, Einzelsträucher und Bäume im „Biotop Am Stausee“, Birsfelden

Die Hecken mit Sträuchern und Bäume im „Biotop Am Stausee“ bestehen teilweise seit rund 33 Jahren und es hat sich darin und drum herum viel getan. Ein kleiner Blick zurück in die Geschichte, zeigt den Verlauf dieses wertvollen Lebensraums für eine Vielzahl einheimischer Tier- und Pflanzenarten:

Frühere Bedeutung und Nutzung

Erste Schleuse 1975 (© Fritz Raschdorf)

Auf der Kraftwerkparzelle 1550 ist einiges passiert. Die Geschichte der Hecken mit Sträuchern und Bäumen beginnt mit dem Bau der 2. Schleuse des Kraftwerks Birsfelden (1977). Der bis zum Bau jährlich auf dem Areal 1550 angebaute Mais verschwand. Der beim Bau angefallene Aushub wurde 6 Jahre lang auf dem ehemaligen Maisacker abgelagert. Es entstand für kurze Zeit ein kleines wildes Kinderparadies für die benachbarte Wohnüberbauung Sternenfeld. Nach der Fertigstellung der 2.Schleuse (Einweihung 1979), wurde die Parzelle 1550 wieder zu einem Acker umgepflügt und gleichzeitig im Auftrag des Kraftwerks nach einer Lösung für die weitere Nutzung gesucht. Der Wunsch des Kraftwerkes war, der Gemeinde Birsfelden die Hege und Pflege des Areals zu übertragen. Nach vielen Diskussionen und Abstimmungskämpfen gelang ein Kompromiss , der die heutige Einteilung der Kraftwerkparzelle in Familiengärten, Tennisplätzen und dem «Hecken-, Wiesen- Trocken-, Feucht-Biotop»,  dem sogenannte Sternenfeldbiotop zur Folge hatte.Da solcher Lebens- und Erholungsraum immens wichtig sind für die Wohnbevölkerung, wurden damals ganz bewusst in die Gestaltungspläne dieses Naturgartens einbezogen.

Zur Entstehung der Hecken mit Sträuchern und Bäumen seit 1983

Biotop 1983 (© Fritz Raschdorf)Nachdem der Teich mit den Umgebungsarbeiten erledigt war, hat man angefangen verschiedene einheimische Sträucher, Bäume zu pflanzen. Dazu brauchte es wieder die fleissigen Hände vieler Freiwilligen und die Zusammenarbeit mit dem Quartierverein Birsfelden (Gründung, dank der „Aktion 1550“ für die Natur und den es ohne das damalige Engagement für das Biotop nicht geben würde!) und dem Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB). Das Hauptaugenmerk auf einheimische Wildsträucher und Bäume ist entscheidend über den Tierreichtum, denn man für die Zukunft der Hecke erwarten möchte. Da nur einheimische Wildsträucher den Tieren ausreichend Nahrung bieten, hat man auf exotische Sträucher verzichtet!

Diese Heckensträucher wurden 1983 angepflanzt:

  • Pfaffenhütchen (Evonymus europaeus)
  • Weissdorn (Crataegus monogyna)
  • Schwarzdorn (Prunus spinosa)
  • Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
  • Liguster (Ligustrum vulgare)
  • Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
  • Aschgraue Weide (Salix cinerea)
  • Föhre (Pinus sylvestris)
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
  • Brombeere (Rubus spec)
  • Gemeiner Kreuzdorn (Rhamnus catherticus),
  • Faulbaum (Frangula alnus)
  • Hagebuche (Carpinus betulus)

Heutige Bedeutung

Eine Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Distelfink, ja sogar ein Zaunkönig schmettern ihre Liedchen aus dem Gebüsch. Ein Ringeltaubenpärchen gurrt auf einem Baum. Ein Igel sucht sich Unterschlupf. Eine Maus huscht vorbei. Es raschelt und knackt. Viele Sträucher stehen in voller Blütenpracht. An den Früchten der einheimischen Vogelbeere tun sich über verschiedene Vogelarten gütlich. Ebenso verhält es sich bei den Insekten. Am einheimischen Schwarzdorn leben bis zu 200 Insektenarten. So Extensiv genutzte Heckensäume sind echte Paradiese für eine Vielzahl von Wildkräutern. Hier finden zudem Bodenbrüter ungestörte Nistplätze. Käfer benutzen sie zum Überwintern. Bienen und Schmetterlinge profitieren vom reichen Blütenangebot, und Heuschrecken können sich darin auch dann noch ernähren, wenn die angrenzende artenreiche Blumenwiese (siehe Teil 2!) abgemäht ist.

Eichenbaum und Hecken im Sternenfeldbiotop in Birsfelden (© J.Roth)


Charakteristische Pflanzen und Zoologische Bedeutung

Kinder der 3A (Kirchmatt) arbeiten im Biotop (© J.Roth)Die Pflege der Hecke ist nicht nur notwendig, sie ist auch eine besondere Chance, der Artenvielfalt neue Impulse zu geben. Die fachgerechte Pflege einer Hecke trägt den unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten der Sträucher Rechnung, versucht den Strukturreichtum zu steigern und verbessert dadurch die Lebensbedingungen der typischen Heckenbewohner. Die Sträucher und Bäume sind daher vom Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) immer mal wieder zurückgeschnitten worden, oft auch mit der Mithilfe von Schulklassen der Gemeinde Birsfelden. Denen so die Naturvielfalt im unmittelbaren Siedlungsraum näher gebracht werden konnten. (Näheres hier: Birsfelder Schulklasse pflegte das Biotop!)

Hier können Sie nachlesen, welche Sträucher und Bäume bis heute bestimmt werden konnten:

Artenliste der Botanik im Biotop am Stausee [PDF, 3 MB]

Goldregen in der Blumenwiese (© J.Roth)

Typische Tierarten, die man hier antreffen kann:

  • Distelfink (Carduelis carduelis)
  • Dorngrasmücke (Sylvia communis)
  • Fitis (Phylloscopus trochilus)
  • Gartengrasmücke (Sylvia borin)
  • Gemeine Sichelschrecke (Phaneroptera falcata)
  • Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
  • Heckenbraunelle (Prunella modularis)
  • Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
  • Zauneidechse (Lacerta agilis)
  • Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

und einiges mehr…

Je älter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt!

Heckenbraunelle

Beobachtungstipps:

 

  • Den Vögeln im Herbst beim Beeren fressen zuschauen: Am schnellsten weg sind oft die Beeren des Schwarzen Holunders.
  • In welchem Strauch machen die Vögel am liebsten ein Nest? – Oft ist es ein Dornenstrauch.
  • Am meisten Natur beherbergen die  Dornensträucher (Schwarz- und Weissdorn, Heckenrose, Kreuzdorn).

Zukunft und Schutzbestrebungen

Das Ziel war und ist es, eine artenreiche Hecke mit einheimischen Sträuchern und Bäumen entstehen zu lassen. Je älter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für die Tier- und Pflanzenwelt. Auch im Siedlungsraum sind Hecken von Bedeutung, da sie als Rückzugsmöglichkeit für Nützlinge dienen.

Hecken wichtige Zufluchtsorte für Vögel, die aus dem benachbarten und dichtbesiedelten Gebiet immer mehr verdrängt werden. Die Erhaltung und Neuschaffung ist deshalb nötiger denn je!

Seit 2013 werden die Hecken im „Biotop Am Stausee“ nach einem Heckenabschnitts-Pflegeplan zurückgeschnitten, damit die Hecken im Gebiet artenreich bleiben.

Heckenabschnitte

 

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Kirschbaum (© J.Roth)

 

Ökologische Funktionen und Pflege

  • Hecken sind Brutraum für Vögel. Im Sternenfeldbiotop brüteten folgende Vogelarten: Haussperling, Heckenbraunelle, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke, Amsel u.a.
  • Hecken sind Rastplatz für durchziehende Vögel. So konnten im Sternenfeldbiotop zu gewissen Zeiten Distelfink, Mönchsgrasmücke, Fitis und Zilpzalp beobachtet werden.
  • Hecken sind nicht nur für Vögel ein wichtiger Brutplatz, auch Frösche, Molche nutzen die feuchten Stellen unter den Sträuchern.
  • Hecken bieten Schutz vor Feinden.
  • Hecken sind Nahrungsraum. Sie bieten Nüsse und Beeren für Säugetiere und Vögel, oder Holz und Blätter für Insekten.
  • Um ein möglichst reichhaltiges Nahrungsangebot zu gewährleisten, sollten die Hecken ausschliesslich einheimische, standortgerechte Wildsträucher verwendet werden.
  • So sind z.B. Kreuzdorn und Faulbaum Futterpflanzen für die Raupen des Zitronenfalters. Im Winter sind als Nahrungsgäste oft Distelfinken zu beobachten.
  • Ein Auslichtungs- oder Rückschnitt alle 1-3 Jahre kann nötig sein, um die Hecke nicht zu hoch werden zu lassen. Wichtig ist, dass die Wildsträucher nicht alle auf der gleichen Höhe abgeschnitten werden, sondern dass schnell wachsende Sträucher stärker und langsam wachsende weniger stark zurückgeschnitten werden! Zudem soll die Hecke im Herbst oder im frühen Frühling – vor der aktiven Zeit der Vögel und Amphibien – und in Etappen zurückgeschnitten werden.

Zusatzinfo:

Brennesseln – Lebensgrundlage von Schmetterlingen

 

Der vielfältige Krautsaum zu den Hecken im Sternenfeldbiotop, bildet einen ungestörten Rück­zugsort zwischen Gehölzen und artenreichen Blumenwiese. An machen Stellen ist die Brennessel reich vertreten. Sie schützt mit ihren

schmerz­haften Brennhaaren nicht nur sich selber, sondern auch Lebewesen, die darin zu leben wissen. Zum Beispiel legen vier Schmetterlingsarten ihre Eier auf der Brennessel ab: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, AdmiralundLandkärtchen. Sie sind zur Vermehrung auf Standorte wie diesen ange­wiesen! Deshalb sollte bei der Pflege darauf geachten werden mit dem Schnitt abzuwarten bis sich die Schmetterlingsraupen entwickelt haben und als farbenprächtige Schmetterlinge ausgeflo­gen sind!

PDF-DokumentHecken sind ökologische und ökonomisch interessant

PDF-Dokument Gemeinde Birsfelden nennt Biotop reizvoll!

Weiden und Hecken im Sternenfeldbiotop Birsfelden (© J.Roth)

 

 

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3 Kommentare

  1. Das nenne ich wirklich eine ausführliche Darstellung des Biotops. Super Fotos von den Pflanzen und guter Gesamtüberblick. Danke für einen solch soliden Artikel. Habe ihn bereits einmal für ein Referat genutzt. Herzlichen dank.

  2. Ich finde diese Seite von euch, sehr interessant und informativ.
    Wir wohnen im Thurgau, nahe beim Seebachtal, bei Hüttwilen und Nussbaumen,
    wo es drei schöne Seen hat. Dort ist auch ein Teil der Region renaturiert und mit
    drei schönen Biotopen angelegt worden.
    Aber auch in unserem Wohnort, Schlattingen, hat es ein Naturschutzgebiet, das von
    dem Ornitologischen Verein Diessenhofen gepflegt und betreut wird.
    Mein ältester Sohn und ich fahren auch oft dorthin und beobachten Vögel und Tiere, weil
    er fotografiert auch sehr gerne. Das ist für mich auch wichtig, so in die Natur zugehen
    können.

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