„Biotop am Stausee“, eine Geschichte…

 

Die Geschichte des Biotops beginnt mit dem Bau der 2. Schleuse des Kraftwerks Birsfelden (1977). Der bis zum Bau jährlich auf dem Areal 1550 angebaute Mais verschwand, ebenfalls die Grenzhecke an der Schleusenkammer. Der beim Bau angefallene Aushub wurde 6 Jahre lang auf dem ehemaligen Maisacker abgelagert.

Vor Bau der 2. Schleuse 1975 (© Fritz Raschdorf)

Nach der Fertigstellung der 2.Schleuse (1979) trat die Kraftwerke Birsfelden AG an die Gemeinde heran, um mit ihr über die Nutzung des nun brachliegenden Feldes zu verhandeln. Der Wunsch des Kraftwerkes war, der Gemeinde die Hege und Pflege des Areals zu übertragen. Die Gemeinde war bereit. Eine Vereinbarung zwischen der Einwohnergemeinde und dem Kraftwerk betreffend Einzonung und Verwendung der Fläche, die die rechtsgültige Zonenänderung aus dem Jahr 1949 erweiterte, wurde formuliert. Damit wurde das weitere Vorgehen geregelt und bildete die Grundlage für die öffentliche Nutzung der Parzelle 1550 im Jahr 1980. Die Gemeindeverwaltung ging in der Folge daran, für die Nutzung des Areals 1550 in einen Plan auszuarbeiten. Am 15. Oktober 1980 wurde der Plan der Einwohnergemeinde zur Abstimmung vorgelegt. Eingangs der Beratung stellte der damalige Gemeindepräsident G. Cereghetti  fest, dass die Kraftwerks AG das Areal 1550 der Gemeinde zur Hege und Pflege zur Verfügung gestellt hat.

Der Nutzungsplan der Gemeinde sah vor, 3600 m2 dem Tennis-Club, 5000 m2 dem Familiengartenverein, 1200 m2 dem Boccia-Club zur Nutzung zu überlassen.

Heutige Nutzung - Parzelle 1550 (Satellitenbild)

Eine Wiese mit 12’500 m2 sollte der Allgemeinheit dienen. Schon im Vorfeld hatten Birsfelder Bewohner den Wunsch formuliert, die ganze Fläche des Areals unbebaut zu lassen. Dazu wurde, um Gehör zu verschaffen, die Aktion 1550 gegründet, um eine entsprechende Planskizze für eine möglichst naturnahe Grünanlage zu schaffen. Da die Planung der Verwaltung im Einwohnerrat am 22. Oktober 1980 gutgeheissen wurde, hat die Aktion 1550 eine Petition mit 1100 gültigen Unterschriften eingereicht, um das Gelände nicht zu überbauen, auch nicht zu zerteilen, sondern freizuhalten. Die Petition wurde vom Stimmvolk abgelehnt. Die Abstimmung am 3. bis 5. April 1981 wurde im Sinne der Verwaltung rechtskräftig und den Vereinen zur Nutzung übergeben.

Die Verwaltung wollte aber nicht die Aktion 1550 beiseite stehen lassen und lud die Aktion 1550 und den Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) zu einem Gespräch ein. Diskussionspunkt war, den vorliegenden Plan für eine naturhafte Grünfläche auf der 12’000 m2 grossen geplanten Wiese zu diskutieren. Man einigte sich, den vorliegenden Gestaltungsplan zu überarbeiten. Der überarbeitete Gestaltungsplan II wurde erneut der Verwaltung vorgelegt. Bauingenieur U. Rehmann erhielt danach den Auftrag, den überarbeiteten Biotop-Gestaltungsplan in den Gesamtplan aufzunehmen.

Erste Pflanzungen - Teich im Sternenfeldbiotop 1983 (© Fritz Raschdorf)

Die Leitung des Kraftwerks war (wohl) mit dem Biotop-Gestaltungsplan einverstanden, denn kurz darauf wurde der NVVB vom Kraftwerk eingeladen, um eine am Radweg vorgesehene Hecke 10 Meter zu versetzen. Sonst gab es keine Einwände. Im März 1983 begann eine Firma unter Baubegleitung von Herrn U. Rehmann (damaliger Bauingenieur der Gemeinde) mit dem Aushub des Teiches und der Erstellung eines Besucherwegs. Der Verein NVVB und Mitglieder der Aktion 1550 (heutiger Quartierverein Sternenfeld) pflanzten im Frühjahr die Hecken, verlegten die Teichfolie, erledigten die Erdarbeiten am Teich, pflanzten die Wasserpflanzen.

Ackerflächen für die geplante Blumenwiese wurden eingesät und an manchen Stellen Wiesenkräuter gesetzt. Ab 1983 hat der Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden die Pflege auf der Fläche von 12’500 m2 übernommen, Naturwiesen und Hecken im Hinblick auf die zu schützenden Lebewesen geschnitten und das Gebiet gewartet. Der Verein möchte dies auch weiter tun.

Artenreiche Blumenwiese - Sternenfeldbiotop 2009 (© J. Roth)

Es ist nicht zu begreifen, dass die allmählich entstandene artenreiche Blumenwiese vernichtet werden soll. Eine solche Wiese kann schnell einmal umgepflügt werden, braucht aber sehr lange Zeiträume (auch 26 Jahre sind noch zu wenig!), bis sie wieder entstanden ist.  Je wilder ein Biotop (=Lebensraum) resp. ein Park gestaltet ist, desto besser für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt. In einem konventionellen Park dagegen würden die Amphibien nicht lange überleben. Ebenso wenig wie viele andere Tier- und Pflanzenarten. Also ein landschaftsarchitektonischer Park an dieser Stelle würde alles zunichte machen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden mit der Vernichtung seines Lebenswerks bestraft wird. Er hat es nicht verdient. Während Mitglieder der anderen Vereine über all die Jahre ihren Freizeitinteressen und Hobbys nachgehen konnten, hat sich der NVVB uneigennützig für die Natur eingesetzt. Genau genommen sind die Naturschützer dem Auftrag von Gemeinde und Kraftwerk gefolgt und haben das entstandene Biotop gehegt und gepflegt. Haben sie mit ihrer Fronarbeit das ausgeführt, was Kraftwerk und die Gemeinde gewollt hatten. Daraus haben sich Freundschaften fürs Leben gebildet, die sich vorher nicht gekannt haben.

Besucher am Teich © J.Roth

Gedanken von Fritz Raschdorf, Mitinitiant Biotop – „Aktion 1550“ (1980-1982, danach Gründung des Quartiervereins Sternenfeld), Dezember ’09

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