INTERVIEW-SERIE 3/6: 35 JAHRE „BIOTOP AM STAUSEE“

Heiner erklärt den Blutweiderich - Biotop Am Stausee, August 2018 (© NVVB)


35-jähriges Bestehen des „Biotop Am Stausee“ – Mitglieder erzählen wie alles begann Und mehr…

Interview mit Heiner Lenzin
(NVVB-Gründungsmitglied und NVVB-Präsident von 1991 bis 2005)

Stell dich bitte in 2 Sätzen kurz vor
Ich bin ein nun bald einmal 60jähriger, der seiner Linie treu geblieben ist und für die Natur aber auch benachteiligte Menschen einsteht, weil sich diese meist nicht selber helfen können.

Wie ist deine Liebe zur Natur entstanden?
Ich war schon mit meinen Eltern viel zu Fuss unterwegs, aber „dr Ärmel inezooge“ hat es mir in einem Jugendlager von Pro Natura im „Wauwilermoos“ (LU).

Gibt es ein Thema im Naturschutz, dass dich besonders fasziniert?
Was soll mich daran faszinieren? Ich würde lieber nur die Natur geniessen. Ich bin der Überzeugung, dass Naturschutz unser ethischer Auftrag, aber auch für das langfristige Überleben der Menschheit notwendig ist.

Wie kam es dazu, dass du Gründungsmitglied des NVVBs bist?
Ich wurde als 13-Jähriger von den Ornithologen und Naturschützern des damaligen Vereins (OGBirsfelden: Heute OG-Gimpel) aufgenommen und bestens betreut, sodass ich nach einem leidigen Streit, bei den Leuten des Vereins, die sich vermehrt für die Anliegen des Naturschutzes stark machten, zusammengeblieben bin und somit auch Mitglied wurde des neu gegründeten NVVB.

Was hat dich dazu bewogen, dich für die Anliegen der Natur im Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden zu engagieren?
Ich wurde schon als Jugendlicher, und ich war sicher kein einfacher Teenager, ernst genommen, bestens betreut und wunderbar unterstützt. Ich verdanke den „Urgesteinen“ des Vereins menschlich und fachlich enorm viel.

Du warst von 1991 bis 2005 NVVB-Präsident. Was war(en) dein(e) grössten Erfolg(e) als Präsident?
In meiner Zeit wurde das Naturschutzgebiet am Rande des Hardwaldes, die „Weiheranlage Hard“, geschaffen. Dieses wurde angelegt, damit die Amphibien bei ihrer Wanderung zum Laichgewässer (damals in der Staatsgrube) nicht auf der Hardstrasse überfahren werden. Diese drei Ersatzlaichgewässer gibt es in diesem Jahr auch schon 25 Jahre und sie funktionieren als Laichgewässer sehr gut.

NVVB Spechtkurs 1999

Spechtkurs 1999

Weiter wurde in meiner Zeit, die direkte Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert. Ich möchte aber betonen, dass unsere Naturschutzarbeit nur dank den vielen engagierten Vorstands- und Vereinsmitgliedern funktioniert hat. – So war es nie „nur“ mein Erfolg.

 

An welches Natur-Erlebnis im Zusammenhang mit dem „Biotop Am Stausee“ kannst du dich besonders erinnern?
Am Teich habe ich einmal an einem Herbsttag über eine Stunde Bartmeisen beobachten können, wie sie sich an den Samenständen der Rohrkolben gütlich getan haben.

Neuntöter Männchen - Biotop Am Stausee 2016 (© NVVB)

Neuntöter Männchen im „Biotop Am Stausee“ 2016 (© NVVB)

Wenn du ein Vogel wärst, welcher wäre es und warum?
Ein Neuntöter. Ich freue mich immer riesig, wenn ich diesen Vogel auf seinen Warten in dornigen Strauchstrukturen auf Magerwiesen und -weiden sehe.

Wenn du ein Säugetier wärst, welches wäre es und warum?
Ein Luchs, immer unterwegs, wenig gesehen.

Hast du eine Lieblingspflanze?
Das ist für einen Botaniker eine schwierige Frage. Aber nachdem ich mich mehrere Jahre mit dem hochalpinen Himmelsherold beschäftigte, habe ich zu dieser Pflanze schon eine besondere Beziehung.

Warum gibt es das heutige „Biotop Am Stausee“ überhaupt?
Weil Mitglieder des NVVB und Bewohner des Sternenfeldquartiers an einem Strick gezogen haben und zusammen als Gemeinschaft für die Sternenfeldbewohnern und die Natur etwas Nachhaltiges schaffen wollten.

Bist du zufrieden mit dem, was daraus geworden ist?
Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich freue mich, dass es erstens ein wertvoller Lebensraum für viele einheimische Tiere und Pflanzen ist und zweitens, dass damit den Birsfelder Schulkindern die Natur und die Wichtigkeit deren Schutzes nähergebracht werden können.

Trockenbiotop - Biotop Am Stausee, Sept. 2018 (© NVVB)

Trockenbiotop, Sept. 2018

Hattest du noch andere solche Ideen für Birsfelden?
Ich gehe davon aus, dass das Leben in einer dichtbesiedelten Welt und den damit wachsenden Umweltproblemen nur zu schaffen ist, wenn Natur in allen Bereichen unseres Lebensraumes und unseres Lebens erhalten und gefördert wird. Insofern hatte und habe ich immer noch viele Ideen.

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, was du dir für die Zukunft des „Biotop Am Stausee“ und für die Naturvielfalt der Gemeinde Birsfelden wünscht?
Der Erhalt des „Biotop Am Stausee“ muss oberste Priorität haben. Ansonsten muss gerade in der stark überbauten Gemeinde Birsfelden, in der schon viel Natur verloren gegangen, überall zwischen und an Gebäuden wieder Platz für Lebewesen geschaffen werden. Die Förderung der Biodiversität in den Siedlungen sind keine Träumereien von uns Naturschützer, sondern aus ökologischer Sicht auch für den Menschen eine Notwendigkeit und somit eine wichtige und grosse Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen.

Möchtest du sonst noch was loswerden?
Ich freue mich über den aktuellen sehr aktiven Vereinsvorstand und möchte dieses Interview nutzen, diesem ganz herzlich für seine tolle Arbeit zu danken.

Schleuse mit Biotop 1985_Fotoarchiv Dokumentationsstelle Gemeinde Riehen, Fotograf unbekannt

Schleuse mit „Biotop Am Stausee“ noch ohne Bäume und Sträucher, 1985

Interview geführt durch Vorstandsmitglied: Judith Roth, im August 2018

Eine verkürzte Version wurde auch im Birsfelder Anzeiger vom 14. September 2018 veröffentlicht
→ Der Erhalt des „Biotops Am Stausee“ muss oberste Priorität haben


Serie 1-6
1: Fritz Raschdorf
2: Guido Müller
3: Heiner Lenzin
4: Fritz Liechti
5: Fredi Niffeler, Toni Lenz und Kurt Krüger
6: Örni Akeret

 

INTERVIEW-SERIE 2/6: 35 JAHRE „BIOTOP AM STAUSEE“

Guido Müller auf dem Trockenbiotop - Biotop Am Stausee, Juli 2018 (© NVVB)

Guido Müller auf dem Trockenbiotop – Biotop Am Stausee, Juli 2018 (© NVVB)


35-jähriges Bestehen des „Biotop Am Stausee“ – Mitglieder erzählen wie alles begann Und mehr…

Interview mit Guido Müller (NVVB-Gründungsmitglied und NVVB-Präsident von 1983 bis 1991)

Stell dich bitte in 2 Sätzen kurz vor
Ich bin im schönen aargauischen Wyhnenthal mit zwei Geschwistern aufgewachsen und verbrachte meistens eine schöne, wenn auch nicht leichte Jugendzeit. Ich bin seit 57 Jahren mit meiner Frau Magrit verheiratet, habe zwei Kinder und 4 Enkelkinder, bin jetzt Rentner zuvor war ich Grenzwächter und viele Jahre im Innendienst beim Schweizer Zoll tätig.

Wie ist deine Liebe zur Natur entstanden?
Schon als Schulkind habe ich bei den Bauern vor Ort bei der Feld- und Heuarbeiten mitgeholfen, so kam ich bereits in engen Kontakt mit der Natur. Wir gingen auch viel in den Wald um Beeren und Pilze zu sammeln und wie zu dieser Zeit üblich auch Brennholz und Tannenzapfen, dabei sind wir oft Rehen und Hasen begegnet. Vor allem hatten wir aber einen Lehrer der sich nicht genau an den Stundenplan hielt, so kam es ab und zu vor, dass wir das Klassenzimmer bei schönem Wetter immer mal wieder in die Natur verlegten.

Auch bei meiner Ausübung als Grenzwächter, war ich ja viel draussen in der Natur. So ist mein Interesse an der Natur immer mehr gewachsen und da ich oft in der Nacht im Jura im Einsatz war, konnte man den damals dort noch zahlreichen Stein- und Waldkäuzen lauschen und so manche andere spannenden Tierbeobachtungen machen.

Was hat dich dazu bewogen sich für die Anliegen der Natur in Birsfelden zu engagieren?
Mein Berufskollege Toni Lenz* (NVVB-Gründungsmitglied) und ich haben schon von Basel aus gemeinsam ornithologische Exkursionen unternommen. Als wir dann im 1968 nach Birsfelden zogen, sind wir schon bald der Ornithologischen Gesellschaft Birsfelden (Heute OG-Gimpel Birsfelden) beigetreten. Birsfelden war damals noch nicht so zugebaut wie heute und darum noch recht wild, so konnte man noch einige Jahre den Feldhasen sehen und die Haubenlerche, die übrigens hier auf der Kraftwerkparzelle 1550 in Birsfelden im Jahr 1975 ihren letzten schweizerischen Brutplatz hatte! Leider wurde vor der SBB in jener Zeit bei ihren Gleisunterhaltsarbeiten zu viel Herbizide eingesetzt.  So kamen die Bruten nicht mehr durch, weil die samenfressenden Vögel in den Geleisen ihr Futter suchten und die Eischalen nachweislich immer dünner wurden und der Embryo abstarb. So sind wir* auch auf den Entschluss gekommen uns aktiv für die Erhaltung der Lebensräume der Fauna und Flora in Birsfelden zu unternehmen.

Neu gepflanzter Speierlingbaum 2 - Biotop Am Stausee, 21. April 2018 (© NVVB)

Guido pflanzt den Speierling-Jubiläumsbaum

Du warst ja einer der Haupt-Gründungsmitglieder des NVVBs, wie kam es dazu?
Ich war mit gleichgesinnten jahrelang Mitglieder der OG Birsfelden, die sich Hauptsächlich der Kaninchen- und Geflügelzucht widmen. Gerade Ende der 70-er Jahre kamen die ersten Meldungen, dass es der Flora und Fauna der Schweiz nicht mehr so gut geht, so wollten wir der Schutz der Wildtiere deren Lebensräume und die Pflanzenwelt mit in den Verein integrieren, resp. mehr darauf Aufmerksam machen, doch die Mitgliederversammlung der OG Birsfelden wollten dies nicht und ersuchten uns den Verein zu verlassen. Somit gründende ich mit Gleichgesinnten den NVVB, der den Hauptzweck den Schutz, die Pflege und die Verbesserung der Lebensgrundlagen von Flora und Fauna und die Sicherung der biologischen Vielfalt in der Gemeinde Birsfelden und darüber hinaus, verschrieben hat.

Gleichzeitig kam die Bürger-Initiative „Aktion 1550“ (daraus gründete sich der Quartierverein Sternenfeld) zustande, die sich für mehr Grün auf der Kraftwerkparzelle 1550 einsetzte. Dieser Aktion kam zur rechten Zeit und wir konnten uns mit unserem neugegründeten Verein direkt dafür engagieren.

Artikel über Guido Müller (Birsfelder Anzeiger, 1985)

Portrait: Birsfelder Anzeiger 1985

Du warst von 1983 bis 1991 NVVB-Präsident, was war(en) dein(e) grössten Höhepunkte / Erfolg(e) als Präsident?
Natürlich 1983 das Umsetzen der Pläne des „Biotop Am Stausee“. Dann hatten wir Glück, dass zur selben Zeit der Zürcher Ringier-Verlag die Aktion „Schweiz Grün – Die Naturaktion im Gelben Heft“ lancierte und ich mich bemühte, dass unser Projekt den Zuschlag für Heckenpflanzen erhielt. Was mir auch gelang und so erhielten wir 200 verschiedene einheimische Sträucher von 14 Pflanzenarten, die wir schon bald neben den Sträuchern, die die Gemeinde Birsfelden besorgte, anpflanzten. Schön war auch das Erlebnis mit dem damals noch jungen Geschäftsführer von BirdLife Schweiz – Werner Müller -, ich konnte ihm das neuerschaffenen Naturjuwel zeigen, er befand es schon damals als schützenswert! Auf Initiative von einem weiteren Vereinsgründungsmitglied – dem Biologen Heiner Lenzin -, haben wir 1984 das Naturinventar Birsfelden minutiös zusammengestellt. Ein weiteres Highlight als Präsident waren die ornithologischen Frühexkursionen in den Hardwald mit der Realschule Birsfelden Ende der 80-er Jahre. Das pflanzen der Silberpappel mit Ernst Meyer von der Gemeinde und auch später der Stiel-Eichen im „Biotop am Stausee“ sind mir als positives Beispiel geblieben, sowie die wunderbar funktionierende Zusammenarbeit mit der Gemeinde Birsfelden. Daneben war natürlich die Mitgliederwerbung mir als 1. Präsident ein grosses Anliegen.

Silberpappel - Biotop Am Stausee, 2016 (© NVVB)

Silberpappel im Biotop Am Stausee (© NVVB)

An welches Natur-Erlebnis im Zusammenhang mit dem „Biotop Am Stausee“ kannst du dich besonders erinnern?
Vor allem die vielen Zugvögel, wie Wiedehopf, Steinschmätzer und Co. die schon bald das Gebiet auf ihrem Weg von ihren Überwinterungsgebieten ins Brutgebiet und zurück, als Rast- und Futterplatz entdeckten. Diese profitierten von der rasanten Entwicklung von Wiesen, Hecken und Teich. Da ich noch heute auf Blick zum „Biotop Am Stausee“ wohne, mache ich fast täglich immer noch so wunderbare Beobachtungen, was mir viel Vergnügen bereitet und mich glücklich stimmt.

Wenn du ein Vogel wärst, welcher wäre es und warum?
Ein Braunkehlchen, weil er ein Vogel ist, der in den extensiv bewirtschafteten Alpwiesen vorkommt und diese Art immer weiter zurückgedrängt wird. In dem ich die Schweizer Berghilfe unterstützte, versuche ich damit solche Lebensräume zu erhalten, denn auch ich und meine Frau bewegten sich sehr viel in dieser Bergwelt.

Braunkehlchen - Biotop Birsfelden Mai 2015 (© Thomas Blum)

Braunkehlchen – Biotop Birsfelden Mai 2015 (© Thomas Blum)

Wenn du ein Säugetier wärst, welches wäre es und warum?
Der Steinbock, er ist mit seinem mächtigen Körperbau und seiner Trittsicherheit das grösste Alpentier und weil er sich nach seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert, durch die grossangelegte Wiederansiedlung zu Beginn des 20. Jahrhundert, wieder gut in der Fauna der Alpen erholt hat.

Hast du eine Lieblingspflanze?
Das Edelweiss und alle andere Alpenblumen vom Gletscher-Hahnenfuss bis hin zur Feuerlilie und auch den Himmelsherold. Weil diese in der kargen Umgebung mit der kurzen Vegetationszeit zu kämpfen haben. Dies hat mich alle Jahre immer wieder fasziniert, ich bin froh, dass ich das alles noch sehen durfte.

Das „Biotop Am Stausee“ gibt’s es nun schon 35 Jahre, bist du zufrieden was daraus geworden ist?
Ich bin sehr zufrieden, dass durch das Grosse ehrenamtliche Engagement – mit vielen tausenden von Arbeitsstunden der NVVB-Mitgliedern -, und vor allem, dass wir es geschafft haben mit vielen anderen naturverbundenen Quartierbewohnern und darüber hinaus, mit der Gemeinde Birsfelden und natürlich mit der Grundstückbesitzerin – der Kraftwerk Birsfelden AG (KWB) -, ein Teil dieser Parzelle 1550 als Grünfläche zu bewahren. So ist über all die Jahre, dieses prächtige und schützenswerte Natur-Eldorado entstanden für Säugetiere, Vögel, Insekten, Amphibien und natürlich auch für die Bevölkerung und Besucher aus der Region, die nun in den heutigen hektischen Zeiten ein Ort zum verweilen haben und auch um sie darauf aufmerksam zu machen, wie wertvoll solche immer weniger werdenden Grünflächen gerade in Zeiten des Insektensterbens und des massiven Rückgangs der Vogel- und Amphibienarten geworden sind.

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, was wünscht du dir für die Zukunft des „Biotop Am Stausee“ und für die Naturvielfalt der Gemeinde Birsfelden?
Ich bin zuversichtlich, dass es in der heutigen Form bestehen bleibt. Durch den grossen Einsatz der NVVB Mitglieder, der Gemeinde Birsfelden, sowie der Landbesitzerin der KWB, könnte einen solche Oase für die Nachwelt erhalten bleiben. Es wäre auch wünschenswert, wenn ein kommunal- oder kantonaler Schutz erreicht werden könnte.

Ich danke dem Vorstand und der heutigen aktiven Mitgliedschaft für ihren grossen Einsatz für noch mehr Natur in Birsfelden.

Biotop Am Stausee, Juli 2018 (© NVVB)

Der tägliche Blick von Guido ins Naturschutzgebiet

Interview geführt durch Vorstandsmitglied: Judith Roth, im Juli 2018

Eine verkürzte Version wurde auch im Birsfelder Anzeiger vom 17. August 2018 veröffentlicht
→ Wir erhielten 200 einheimische Sträucher


Serie 1-6
1: Fritz Raschdorf
2: Guido Müller
3: Heiner Lenzin
4: Fritz Liechti
5: Fredi Niffeler, Toni Lenz und Kurt Krüger
6: Örni Akeret

28 SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER HEUEN WILDBLUMENWIESEN

Heuen im "Biotop Am Stausee" - 15. Juni 2018 (© NVVB)Am letzten Freitag haben wieder Birsfelder Schülerinnen und Schüler die Wildblumenwiesen im „Biotop Am Stausee“ – sowie die restlichen Wildblumenflächen auf der Kraftwerkparzelle 1550 -, geheut.

Dieses Mal waren es insgesamt 28 Schulkinder der Klasse P5b, sowie die Klasse FK 5 / 6 vom Kirchmattschulhaus Birsfelden.

Das Heu wurde zu „Mädlis“ zusammengerecht und dann zu Heuhaufen zusammengetragen. Nebenher konnten die Schulkinder so einige tolle Naturbeobachtungen machen. So flugen viele Gross- und Kleinlibellen umher, das Heupferd zeigte sich, Vögel flatterten umher auf der Suche nach Futter, 2 junge Eichhörnchen beobachten das wusserlige Treiben vom Kirschbaum her uvm.


Heuen im "Biotop Am Stausee" - 15. Juni 2018 (© NVVB)

Junge Erdkröte

Ein Mädchen entdeckte sogar eine junge Erdkröte (siehe Bild) und brachte sie zur Sicherheit in die Hecke.

 

 

 


Allen Schülerinnen, Schüler und den Lehrern Sinthujan Thatparananthan, Jacqueline Hohmann und Marc Eggenschwiler ein herzliches Dankeschön – Euer Einsatz für die Naturvielfalt Birsfeldens war einmal mehr Super!

Ein weiteres Dankeschön gebührt dem Werkhof Birsfelden, der die Wiesen vorab mit dem Balkenmäher tierschonend gemäht haben und das Heu dann abtransportieren und unseren beiden Vereinsmitgliedern Rita Rufener und Judith Roth für ihre Unterstützung vor Ort.


Ein paar Impressionen vom Tag

INTERVIEW-SERIE 1/6: 35 JAHRE „BIOTOP AM STAUSEE“

Anlässlich des Wildpflanzenmarkt 2018 im Biotop Am Stausee (© NVVB)

Fitz Raschdorf in der Mitte umringt von Naturschützern (© NVVB)


35-jähriges Bestehen des „Biotop Am Stausee“ – Mitglieder erzählen wie alles begann Und mehr…

Interview mit Fritz Raschdorf Mit-Initiant

Stell dich bitte in 2 Sätzen kurz vor
Ich bin ein Naturliebhaber, der die Kindheit in meinem Leben rumträgt. Weiter hat mich das Experimentieren schon früh interessiert, darum bin auch Chemiker geworden.

Warum wurdest du nicht Biologe?
Damals fand ich Chemie spannend. Wir hatten einen guten Chemie-Lehrer. Und ich bin dabeigeblieben. Weiter kann man ja die Natur nicht besitzen…Ich wollte immer staunen und beobachten.

Wie ist deine Liebe zur Natur entstanden?
Mein Bezug zu Pflanzen und Tieren war der grosse Hof meines Grossvaters in Schlesien (heute Polen) und meine Liebe zu Afrika, die wuchs immer mehr, da ich jeden Tag die grossen Oryx-Antilopen auf einem Bild in meinem Zimmer gesehen habe.

Maisfeld 1975 - Parzelle 1550 (© C. + U. Zimmer, Basel)

Maisfeld 1975 – Parzelle 1550 (© C. + U. Zimmer, Basel)

An welches Natur-Erlebnis im Zusammenhang mit dem „Biotop Am Stausee“ kannst du dich erinnern?
Bevor die Kraftwerkparzelle so entstand wie sie sich heute darstellt, war dort ein Maisfeld und im Sternenfeldquartier gab es noch viele Brachfelder und Gärten (diese sind heute alle mit Hochhäusern verbaut). Damals hörte ich dort wider Erwarten den Gesang einer Haubenlerche. Dieser Gesang erinnerte mich an meine Heimat Schlesien und die spätere Kindheit in Lübeck, wo vermehrt auch zur Winterzeit die Haubenlerchen auftauchten. Haubenlerchen waren vielen heimischen Ornithologen unbekannt. Ich konnte mit meiner Beobachtung Vogelfreunde darauf aufmerksam machen. Es gab sogar im Sternenfeld eine Haubenlerchen-Brut. Auch die Feldhasen gab’s noch im Sternenfeld. Alle diese sensationellen Entdeckungen im Quartier brachten heimatliche Gefühle hervor.

Was hat dich dazu bewogen, sich für die Anliegen der Natur im Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden (NVVB) zu engagieren?
Ich fand in meinem damaligen Wohnort Birsfelden (ich wohnte ja früher Am Stausee 23 in der Dachwohnung mit einem Rundumblick auf die Region) einen neugegründeten Naturschutz-Verein, da habe ich mich dazu berufen gefühlt, mitzumachen. Ich fand sehr viele Leute mit den gleichen Interessen.

Wenn du ein Vogel wärst, welcher wäre es und warum?
Ein Mauersegler (Spyre). Er ist für mich der Sommervogel, der die Liebe zu zwei Kontinenten verbindet.

Wenn du ein Säugetier wärst, welches wäre es und warum?
Ein Feldhase, da er mich an meine Heimat erinnert.

Lieblingspflanze?
Die Skabiose-Flockenblume, sie hat sehr schöne interessante Blätter und fällt alleine auf wegen der Grösse ihrer Blüte. Sie zieht viele Insektenarten an.

Warum gibt es das heutige „Biotop Am Stausee“ überhaupt?

Parzelle 1550 1983 (© Michael Przewrocki, Birsfelden)

Noch ohne „Biotop Am Stausee“, Tennisplätze und Familiengärten

Beim Bau der zweiten Schleuse Ende der siebziger Jahre wurde über die Zukunft des Areals 1550 diskutiert. Der Wunsch der Anwohner, dort einen Grüngürtel zu schaffen, wurde vom Gemeinderat sympathisch aufgenommen und von der Kraftwerk Birsfelden AG aufgegriffen. Der Gemeinderat von Birsfelden schlug eine Grün- und Erholungszone vor und übertrug dem Birsfelder Naturschutzverein die Projektierung. Daraus ist das heutige vielfältige Lebensraummosaik „Biotop am Stausee“ entstanden. Und eine erstaunliche Anzahl von Leuten hat sich seit den Anfängen bis heute dort engagiert. Der NVVB ist bis zum heutigen Tag für Pflege und Wartung zuständig. Die jährlichen Massnahmen werden protokolliert.

Bist du zufrieden was daraus geworden ist?
Ja, denn die damalige Grundidee wurde umgesetzt und besteht bis heute. Mehr kann man in diesen engen räumlichen Verhältnissen nicht verlangen.

Hattest du noch andere solche Ideen für Birsfelden?
Ja, auch an anderer Stelle konnte etwas für die Natur getan werden. So wurden am Vorhafen, an der Birs und an anderen Orten in Birsfelden Wildhecken gepflanzt, Nisthilfen für Mauersegler und Mehlschwalben platziert uvm. Auch Ersatzteiche für die Erdkröten und Grasfrösche am Waldrand an der Hardstrasse, die immer zur Staatsgrube wanderten und dabei von den Lastwagen totgefahren wurden, konnten wir anlegen. Wir konnten das Bewusstsein steigern, dass sich in der Staatsgrube eine regional bedeutende Geburtshelferkröten-Population befand. Leider wurde diese aus unerklärlichen Gründen zerstört.

Du bist mit deiner Frau schon 1984 von Birsfelden nach Basel weggezogen, bist aber bis heute dem NVVB treu geblieben. Hast du dich auch an deinem neuen Wohnort für die Natur eingesetzt?
Die Erfahrungen für den Schutz der Natur in Birsfelden brachten mich in den Vorstand von Pro Natur Basel. Mein Engagement führte mich zum TRUZ (Trinationales Umweltzentrum) auf Deutscher Seite. Zum Beispiel mit dem Anlegen eines grossen Naturschutzgebiets in der Kiesgrube Käppelin (Weil am Rhein), welches bis heute ein weiteres Naturjuwel in der Region ist.

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, wo siehst du das „Biotop Am Stausee“ in den nächsten Jahren?
Ich möchte, dass der NVVB weiterhin die Pflege innehat und dass das gute Verhältnis zwischen dem NVVB, der Grundstückbesitzerin und der Gemeinde Bestand hat und dass alles so bleibt wie es ist. Dieses Gebiet ist ja ein gutes Beispiel wie Naturförderung im Kleinen geschehen kann. Sie sollte in der stark-überbauten Gemeinde Birsfelden Nachahmer finden. Denn die Bedeutung dieser Naturoase hängt mit dem nahen Rhein zusammen und ist ein wichtiger Ort für die Wandervögel (Zugvögel). Eine der grossen Möglichkeiten, die Natur zu vernetzen am Rücken des Rheins. Der Erhalt der Artenvielfalt kann nur im jetzigen Sinne gewährt bleiben. Weiter ist der Wert dieses Gebietes mehrfach belegt. Darum bin ich erstaunt, dass es nicht schon längst einen regionalen, wenn nicht kantonalen Schutzstatus hat. Vielleicht schaffen es ja die Kraftwerk Birsfelden AG und die Gemeinde Birsfelden zusammen mit dem Natur- und Vogelschutzverein Birsfelden dies irgendwann zu erreichen. Für die sehr stark überbaute Gemeinde Birsfelden wäre das wünschenswert und man würde der Natur etwas Längerfristiges zurückgeben. Wie ich weiter oben schon gesagt habe: „Die Natur kann man nicht besitzen“.

Biotop Am Stausee, Juni 2017 (© NVVB)

Biotop Am Stausee im Juni 2017 (© NVVB)

Interview geführt durch Vorstandsmitglied: Judith Roth, Ende Januar 2018

Eine verkürzte Version wurde auch im Birsfelder Anzeiger vom 10. August 2018 veröffentlicht
→ Ein gutes Beispiel für Naturförderung im Kleinen


Serie 1-6
1: Fritz Raschdorf
2: Guido Müller
3: Heiner Lenzin
4: Fritz Liechti
5: Fredi Niffeler, Toni Lenz und Kurt Krüger
6: Örni Akeret